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Kultur Mehrdeutige Schau zum „Stand der Dinge“ im Sprengel Museum
Weltgeschehen Kultur Mehrdeutige Schau zum „Stand der Dinge“ im Sprengel Museum
12:49 31.03.2017
Petra Kaltenmorgens „Materia“ ist im Sprengel Museum zu sehen. Quelle: Petra Kaltenmorgen
Hannover

HANNOVER Um Dinge geht es bei diesen Aufnahmen in der Tat häufig, und selten sind es spektakuläre. Karierte Deckchen hier, sonderbar beschnittene Spielkarten mit Tesafilmstreifen da, und das dort drüben könnten bemalte Steine sein oder zusammengeknüllte Papierbögen – oder doch eher verschrumpelte Luftballons? Dann wieder findet sich eine Ansammlung von Glasgefäßen inklusive einer ordinären Sprudelflasche, alles indes derart ins Licht gesetzt, dass es wirkt wie eine prachtvolle niederländische Stillleben-Malerei aus dem 17. Jahrhundert.

Überhaupt, das Licht: die wahre Domäne der Petra Kaltenmorgen. Ihre Pflanzenfotografie ist vom Allerfeinsten, etwa die Blätter und Blüten, die vor schwärzestem Hintergrund zumeist eigenwillig aus der Zentrierung herausgerückt werden und eine fast magische Aura entfalten. Eine andere Serie zeigt dunkle Blumen in dunklen Vasen vor einer dunklen Wand, und dennoch bleibt alles klar sichtbar, weil die Künstlerin feinste Abstufungen herauszuarbeiten versteht und ein paar winzige farbige Lichtpunkte integriert, die aussehen wie Sternchen und tatsächlich von Laserpointern herrühren dürften.

Die Werkgruppe der Installationen erreicht nicht ganz diese Intensität. Eine zerteilte Weltkarte, angekokelte Zeitungsbilder in Schmetterlingsform, ein kleiner Wald von Taschenlampen, deren Batterien täglich zur Neige gehen und ausgetauscht werden müssen – das hat schon seinen Reiz, aber durch die Qualität der Fotos ist der Betrachter halt sehr verwöhnt.

Unter dem Strich handelt es sich hier um eine sehr stilvolle Ausstellung, deren Besuch empfehlenswert ist. Auch die passgenau erschienene Monographie über Petra Kaltenmorgen (19,80 Euro) kann sich sehen lassen.

Von Jörg Worat