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Kultur Missglücktes Experiment
Weltgeschehen Kultur Missglücktes Experiment
12:55 19.02.2014
Hannover

Spezielle Symphoniekonzerte mit dem Niedersächsischen Staatsorchester hat es im Opernhaus schon oft gegeben. So speziell wie das fünfte dieser Saison gerieten allerdings nur sehr wenige. Angelegt war es als Höhepunkt der Festtage für Bernd Alois Zimmermann (1918–1970), so stand dieser Komponist im Mittelpunkt des Geschehens.

Gleich zu Beginn mit einer Uraufführung: Das Material für die „Heroische Prosodie“ war erst kürzlich wiederentdeckt worden. Das Werk ist in der Zeit des 2. Weltkriegs entstanden und vereint vehemente Passagen mit zurückgenommenen – eine interessante, aber auch etwas sperrige Musik, die zudem vom Orchester unter Dirigent Lothar Zagrosek nicht ganz rund interpretiert wurde.

Typisch für Zimmermann ist eine Vermischung unterschiedlichster Stilistiken, und gar zu spröde Auswüchse der Neuen Musik waren ihm eher suspekt. Bei seinem Trompetenkonzert „Nobody knows de trouble I see“ verwendete er tatsächlich Fragmente des bekannten Spirituals und bediente sich überhaupt reichlich im Fundus des Jazz. Da reicht es dann nicht, nur die richtigen Noten zu spielen, und erfreulicherweise nahmen Orchester und Dirigent Abstand von gar zu akademischer Intonation, sondern ließen es streckenweise prächtig grooven. Auch das hatte allerdings nichts genützt, wenn kein herausragender Solist zur Verfügung gestanden hätte – Håkan Hardenberger indes, der schwedische Startrompeter mit dem ausgeprägten Sinn fürs Originelle, war genau der richtige Mann dafür. Fantastisch, welch differenzierte Dynamik er aus seinem gerade diesbezüglich etwas heiklen Instrument herauszuholen wusste.

Da das Orchester nun schon einmal in Fahrt war, machte es auch aus Robert Schumanns 4. Symphonie eine quicklebendige Angelegenheit. Vor allem in der ersten Hälfte, während später der Schwung ein wenig nachließ, was wohl nicht zuletzt der Überlänge dieses Konzertteils geschuldet war – bis zur Pause vergingen bereits 70 Minuten.

In derselben gab es überdurchschnittlich viele Besucherabgänge, und auch danach setzten sich zumindest im Rang Fluchtbewegungen fort. Ganz unverständlich war das nicht: So witzig Zimmermanns komplett aus Zitaten zusammengesetzte „Musique pour les soupers du Roi Ubu“ auch war, die regelmäßig dazwischen geschnittenen Auftritte des Kabarettisten Frank Lüdecke wollten sich nicht schlüssig dazu fügen.

Doch lieber ein missglücktes Experiment als ständiges Mittelmaß: Der Staatsoper ist für ihren Mut Respekt zu zollen.

Von Jörg Worat