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Kultur Mit feinem Gespür für das rechte Maß
Weltgeschehen Kultur Mit feinem Gespür für das rechte Maß
13:36 02.06.2017
Hannover

Die gerade hier womöglich noch delikater zu interpretieren war: Wenn schon bei herkömmlichen Streifen jeder Wackler in der musikalischen Begleitung unangenehm auffällt, verstärkt sich diese Wirkung bei einem Ballettfilm noch. Und um einen solchen handelte es sich, nämlich den russischen Klassiker aus dem Jahre 1954 in der Regie von Lew Arnshtam. Zu hören war die Originalmusik von Sergej Prokofjew.

In ganz großer Besetzung, unter anderem mit Mandolinen, Saxophon und leibhaftigen Glocken. Ungeachtet dieses gewaltigen Apparats gelang die erwünschte Synchronität über weite Strecken sehr gut, die besagten Wackler waren zwar vereinzelt vorhanden, trübten den Gesamteindruck aber keineswegs. Ein flüssiger Vortrag, bei dem Strobels feines Gespür für das rechte Maß an Zuspitzung einmal mehr ausgezeichnet zur Geltung kam: Im Konzert hätten einige der bekannten Motive in dieser Form aufdringlich geklungen, zu den Filmbildern passte die leichte Überzeichnung bestens.

So wurde also optisch wie akustisch ausgiebig gefeiert, gekämpft und natürlich gelitten. Der aufwendig gedrehte Film entwickelte zeit- und genretypisch eine Menge Pathos, aus heutiger Sicht punktuell sogar eine unfreiwillige Komik, als etwa der beim Schwertkampf tödlich Verwundete vor dem endgültigen Ableben erst noch einen längeren, offensichtlich sorgsam choreographierten Tanz aufführte. Dergleichen war zu er-warten gewesen, gleichwohl zog sich die Sache gegen Ende doch ein wenig. Fraglos ein schöner Abend, aber kein überwältigender – der Applaus fiel entsprechend aus, lang, herzlich und dabei jederzeit beherrscht. Ein kleines Ärgernis am Rande: Wenn man einen eigentlich wunderbaren, weil zentralen Sitzplatz hat und der Blick auf die Projektionsfläche durch zwei lange Mikrophonstangen eingeschränkt wird, trübt das den Kunstgenuss doch ein wenig.

Das Thema des nächsten Filmkonzerts steht auch schon fest: Im Januar 2018 ist an vier Abenden der mit Auszeichnungen überschüttete Me-gahit „Amadeus“ angesagt. Erfahrungsgemäß kann es nichts schaden, sich frühzeitig um Karten zu kümmern.

Von Jörg Worat