Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Motive aus der Natur in dokumentarischem Schwarzweiß
Weltgeschehen Kultur Motive aus der Natur in dokumentarischem Schwarzweiß
12:02 01.12.2017
Jochen Lempert vor dem Werk „The Skins of Alca impennis“ (1992-2017) in seiner Ausstellung „Honeyguides“ im Sprengel Museum. Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Dort hatte man bei den Foto-Präsentationen zuletzt eine Neigung zu offener Hängung entwickelt, und die wird auch diesmal spürbar. Der Rhythmus wechselt ständig: Mal ist eine umfangreiche Serie zu sehen, mal steht eine Arbeit für sich allein. Die Fotos sind in unterschiedlicher Höhe angebracht, sie können sehr klein oder sehr groß sein. Es war sicherlich eine kluge Entscheidung, auf eine Beschilderung zu verzichten und stattdessen ein Info-Blatt mit den Titeln bereitzustellen – der Wirkung dieser Bildwelt kommt das allemal zugute.

Lempert bevorzugt das dokumentarische Schwarzweiß, und der 59-jährige Hamburger fotografiert analog. Sofern er überhaupt eine Kamera einsetzt: Auch die altehrwürdige Technik des Fotogramms, bei dem Objekte direkt auf das zu belichtende Papier gelegt werden, verschmäht er nicht. Rahmungen spielen bei seinem Ansatz üblicherweise keine Rolle – die Bilder treten dadurch um so deutlicher in Korrespondenz zueinander.

Die Motive findet Lempert, bei einem Biologen wenig erstaunlich, in der Natur. Was nicht bedeutet, dass man sie eindeutig zuordnen kann: Eine großformatige Reihe von Pflanzendetails gemahnt eher an abstrakte Kompositionen. Dann wieder ist in aller Klarheit eine Kannenblüte erkennbar, die zugleich streng und poetisch erscheint und Assoziationen an das Werk von Karl Blossfeldt aufkommen lässt. Andernorts hängt eine Serie von Riesenalk-Fotos: Lempert ist seit 1992 dabei, die erhaltenen ausgestopften Exemplare dieses 1844 ausgestorbenen Vogels abzulichten. 52 von 78 hat er bereits vor die Linse bekommen, unter anderem den Riesenalk im hannoverschen Landesmuseum.

Dass die Köpfe der Vögel immer in der gleichen Weise fotografiert werden, erinnert an die „Becher-Schule“, die mit ihrer methodischen Typisierung die zeitgenössische deutsche Fotografie entscheidend mitgeprägt hat. Allerdings waren Bernd und Hilla Becher eher auf der Suche nach formalen Korrespondenzen im Bereich der Architektur, und überhaupt wird man Jochen Lempert mit Vergleichen letztlich nicht gerecht.

Von Jörg Worat