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Kultur „Movimentos“-Höhepunkt: Tänzerisches Votum für die Schrift
Weltgeschehen Kultur „Movimentos“-Höhepunkt: Tänzerisches Votum für die Schrift
21:43 26.04.2018
Von Klaus Frieling
Wolfsburg

Wolfsburg. Das Geschehen auf der Bühne im imposanten Kraftwerk des Volkswagenwerks gleicht einer Mischung aus modernem Ausdruckstanz, chinesischer Kampfkunst und asiatischer Meditation. Von den legendären Worten portugiesischer Entdecker im 16. Jahrhundert hat sich Compagnie-Gründer Lin Hwai-min für seine Choreografie inspirieren lassen: Als „formosa“, „schön“, bezeichneten die Seefahrer die grüne Insel, die mittlerweile Taiwan genannt wird.

So ist Lins neue Arbeit auch eine Liebeserklärung des Choreografen an seine Heimat. In der wohl letzten Arbeit für seine Truppe (der 71-Jährige hat für kommendes Jahr seinen Abschied als künstlerischer Leiter angekündigt) ist dieser Liebesbrief zutiefst persönlich, poetisch und stilvoll: intensives, meditatives Tai Chi gegen explosive Sprünge und rhythmisches Stampfen.

Doch neben Bewegung und Musik ist auch die Sprache wichtig: „Formosa“ beginnt mit zeitgenössischer taiwanesischer Poesie. Auf der zunächst leeren, weißen Bühne ist am Anfang nur das Wort. Daraus entwickelt sich ein reflektierter Blick auf das heutige Taiwan: In dem Maße, in dem sich die Bühne mit den Tänzern füllt, wird der Alltag der Insel erlebbar im Spannungsfeld von Harmonien und Konflikten, von Hoffnung und Frustration. Modernes Tanztheater von Weltrang paart sich hier mit fernöstlichen Klängen und eindringlichem Bühnenbild.

Bereits beim zweiten Movimentos-Tanzfestival hatte das Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan das Wolfsburger Publikum begeistert. Es folgten Auftritte 2009 und 2012. Zuletzt war die Company 2015 bei den Movimentos-Festwochen zu Gast.

Nun also „Formosa“. Lins Choreografie skizziert die menschliche Gemeinschaft in ihren sich wandelnden sozialen Anordnungen, in denen Stammesrituale und großstädtisches Gewimmel auf der Bühne vor überlappend projizierten chinesischen Schriftzeichen letztendlich zu verschmelzen scheinen. Das Geschriebene, so scheint es, verändert im Verlauf der immer hektischer werdenden Geschichte auch immer wieder seine Bedeutung – Kritik an der Geschichtsschreibung mit den Mitteln des Ausdruckstanzes.

Am Ende ist die Bühne wieder leer und weiß – bis auf einen Mann, der auf die Zukunft blickt. Mit einem tiefen Gefühl der Hoffnung. Und vielleicht auch mit Stolz auf das Geleistete – der Applaus des begeisterten Wolfsburger Publikums würde ihm jedenfalls Recht geben.

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