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Kultur Museum mit Werken des Celler Künstlers Erich Klahn öffnet wieder
Weltgeschehen Kultur Museum mit Werken des Celler Künstlers Erich Klahn öffnet wieder
18:21 04.01.2017
Von Andreas Babel
Hannover

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe habe eine Nichtzulassungsbeschwerde der Klosterkammer zurückgewiesen, sagte gestern deren Sprecherin Kristina Weidelhofer. Damit ist ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle rechtskräftig geworden.

Die Klosterkammer hatte den Vertrag über die Klahn-Stiftung vor knapp drei Jahren gekündigt und wollte sich von den Werken trennen. Sie wollte die Zusammenarbeit mit seinen Erben beenden, weil der Künstler eine zu große Nähe zum Nationalsozialismus gehabt habe.

„Es ist sehr erfreulich, dass das Recht auf unserer Seite ist“, sagte gestern Liese Klahn-Albrecht. Man wolle nun erst einmal sehen, „was sich hinter den Sätzen der Klosterkammer verbirgt“, sagte die Sprecherin der Klahn-Familie. Über „alles Weitere“ müsse die Familie jetzt beratschlagen. „Mich interessiert, dass Klahns Werk wissenschaftlich aufgearbeitet wird“, so Klahn-Albrecht. Eine zu dem Thema in Jena eingereichte Dissertation befinde sich in den letzten Zügen.

Die Stifter hatten einem Fonds der Klosterkammer im Jahr 1998 mehr als tausend Kunstwerke von Erich Klahn vermacht. Daraufhin entstand im Kloster Mariensee bei Hannover ein kleines Museum, das die Klosterkammer 2014 wieder schloss. Klahn schuf unter anderem Wandteppiche, Bilder und Illustrationen sowie Altäre in Kirchen.

Der Celler Gerd Lamprecht, Neffe von Klahns Lebensgefährtin und Gönnerin Gertrud Lamprecht (1891 bis 1978), hätte „Klahn lieber in Celle gehabt als in Mariensee“. Der Rechtsstreit sei zu Gunsten der Klahn-Familie ausgetragen worden und es gebe „nach wie vor einen Konflikt mit der Klosterkammer“. Keine der beiden Parteien könne mit der jetzigen Situation glücklich sein. Dem pflichtet der Hamburger Klahn-Experte Dietrich Sattler bei. Er meint, „dass die Klosterkammer das nicht aus vollem Herzen, sondern nur der Pflicht Genüge tun wird“.

Für Lamprecht ist das sanierte Prinzenpalais am Stadtfriedhof ein geeignetes Gebäude, um die Werke zu präsentieren. Er wisse natürlich, dass dafür viel Geld in die Hand genommen werden müsse und dass dieser Vorschlag alleine wegen der anfallenden Personalkosten wohl nicht umsetzbar sei, aber eine Anbindung an das Bomann-Museum oder das Celler Schloss hält Lamprecht ebenfalls für reizvoll.

Das Oberlandesgericht Celle hatte im März die Kündigung des Stiftungsvertrags mit den Klahn-Erben für unwirksam erklärt und damit ein Urteil des Landgerichts Hannover bestätigt. (AZ: 16U 60/15). Die Erben hätten der staatlichen Behörde die Werke nicht lediglich treuhänderisch, sondern dauerhaft als „Schenkung unter Auflage“ übertragen. Eine Revision ließ das Oberlandesgericht nicht zu. Dagegen wollte sich die Klosterkammer mit dem Gang nach Karlsruhe wehren – ohne Erfolg.

Zwei Gutachten im Auftrag der Klosterkammer kamen zu dem Ergebnis, dass Klahn eine führende Rolle in der völkischen Bewegung gespielt und der NS-Ideologie nahegestanden habe. Auch ein Gutachten im Auftrag der hannoverschen Landeskirche sieht Anklänge an völkisch-nationales Gedankengut in Werken des Künstlers. Die Erben Klahns bestreiten eine Nähe des Künstlers zur Ideologie der Nationalsozialisten dagegen vehement.

Die Klosterkammer werde den Betrieb der Klahn-Stiftung jetzt wieder aufnehmen, sagte Kammerdirektor Andreas Hesse. Das Museum werde voraussichtlich wieder geöffnet werden müssen, jedoch erst mit dem Beginn der üblichen Saison im Kloster Mariensee am 17. April. Andreas Babel