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Kultur Musikwoche Hitzacker startet im zweiten Anlauf durch
Weltgeschehen Kultur Musikwoche Hitzacker startet im zweiten Anlauf durch
12:34 15.03.2017
Hitzacker

Nicht unwesentlich dabei waren die Konzerte der kürzlich auch in Celle begeistert aufgenommenen Geigerin Tianwa Yang. Sie erwies sich als eine musikalisch begnadete Gestalterin, die zudem mit einer Musizierlust faszinierte, die sie zur Entdeckung des Festivals werden ließ. Diese junge Musikerin hat das Format in die allererste Garde der Geigerinnen vorzustoßen. Wie diese Frau Schumann spielte, diese Musik sowohl emotional ausleuchtete wie intellektuell durchleuchtete, das hat Seltenheitswert. Und dann spielte sie auch noch die technisch wie musikalisch so ungemein schwere Schubert-Fantasie mit einer Selbstverständlichkeit, dass man fast sprachlos wurde. Letztlich aber wurde alles noch übertroffen von Yangs Interpretation des Doppelstückes von Wolfgang Rihm aus den Jahren 1993/94, dessen „Phantom und Eskapade“. Da stimmte alles, vom Ausbrauch bis zur Pause. Vom gezielt eingesetzten Schönklang ihrer Guarneri-Geige bis zum Fast-Geräusch und der komponierten Stille.

Aber diese Entdeckung war nicht das einzig Positive an diesem Festival. Auch das Duo Runge-Ammon begeisterte mit einem Programm zwischen Jazz und Barocke über alle Maßen. Der ehemalige Artemis-Cellist, der als solche auch schon im hiesigen Kammermusikring spielte, spielte zusammen mit dem Pianisten Jacques Ammon ein Programm, das Jazz und Klassik nicht nur kontrastiert sondern auch gegenseitig aus sich erwachsen ließ: Ein weiterer Höhepunkt des Festivals, das mit einem der bekannten Güttler-Programme begann. Aber auch Festivalchef Mayer zeigte einmal mehr, dass er ein begnadeter Musiker ist und wusste als solcher nicht nur im Abschlusskonzert zu begeistern. Dass in einem insgesamt sehr gelungenen Festival auch mal ein Konzert zur Enttäuschung wird – hier der Klavierabend mit Boris Giltburg – das ist nie ganz zu vermeiden. Insgesamt ist der zweite Neustart in Hitzacker bestens gelungen und man darf sich nun aufs nächste Jahr freuen, wenn der Schwerpunkt bei „Nachtstücken“ liegen wird.

Von Reinald Hanke