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Kultur Nachhaltiges Opernerlebnis wird mit Bravorufen bedacht
Weltgeschehen Kultur Nachhaltiges Opernerlebnis wird mit Bravorufen bedacht
17:29 06.06.2016
Hannover

Der Gut-Mensch Titus lässt sich durch fast nichts von seiner Mild- und Wohltätigkeit abbringen. Weder die Liebe noch ein Attentatsversuch können seine Güte ins Wanken bringen. Kein Wunder, dass „La Clemenza“ bisher nur ein weitgehend konzertantes Dasein beschieden war. Dennoch – so unwirklich die Geschichte scheinen mag, so sehr reißt Mozarts Musik die Zuhörer mit und macht „La Clemenza di Tito“ zum hörenswerten Ereignis. Das Publikum in der Staatsoper Hannover bedachte die Premiere mit langem und von vielen Bravorufen durchsetzten Beifall.

Regisseur Tobias Ribitzki und Bühnenbildner Florian Parbs machen gar nicht erst den Versuch, die Handlung durch optische Beigaben oder weit hergeholte Deutungsversuche aufzupeppen. Im Gegenteil – die schlichte Weiterführung des Zuschauerraums in den Bühnenraum hinein und eine unaufdringliche Personenführung machten die Inszenierung zu einem nachhaltigen und eindringlichen Opernerlebnis.

Am Pult des Niedersächsischen Staatsorchesters sorgte Benjamin Reiners für nahtlose Koordination zwischen vokalen und instrumentalen Kräften und für Präzision in der Bewältigung des nicht immer leichten Notentextes.

Auf solch sicherer Grundlage mag es den Solisten leichtgefallen sein, zu mehr als nur beachtlichen Gesangsleistungen zu finden. In erster Linie muss man die Sopranistin Mareike Morr in ihrer Rolle als Sextus nennen: virtuos in Atemtechnik und Phrasierung, unforciert im Forte und betörend schön im lyrischen Cantabile, lieferte sie die wohl stärkste Leistung des Abends. Gesanglich ebenbürtig, klangschön und mit kaum wahrnehmbaren Registerwechseln singend gestalteten Dorothea Maria Marx ihre Rolle als Vitellia und Ania Vegry als Servilia.

Von Hartmut Jakubowsky