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Kultur Niedersächsische Musiktage geben „Raum“ für Alphornmusik
Weltgeschehen Kultur Niedersächsische Musiktage geben „Raum“ für Alphornmusik
15:18 09.06.2017
Hannover

Hannover. Aber grundsätzlich geht es bei diesem musikalischen Marathon weniger darum, wie bei vielen Festivals, die erste Garde der Musiker einzuladen, sondern darum über das ganze Land verteilt besonders originelle Konzerte auf einem Niveau anzubieten, das die örtlichen, zumeist kleinen Veranstalter in der Regel alleine nicht bieten könnten. Und niedrigschwellig sollen diese Konzerte sein, also so, dass auch Menschen angesprochen werden, für die ein Konzertbesuch kein Alltag ist.

Der Reihe nach: Hinter den Niedersächsischen Musiktagen steht die Sparkassenstiftung dieses Bundeslandes. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kultur für ihre Kunden und solche die es werden könnten ins Land zu bringen. Die Festivalleitung stellt zu diesem Zwecke Veranstaltungen unterschiedlichster Art zusammen, die von den Partnerbanken im Bundesland angefragt werden um vor Ort angeboten werden zu können. Es ist grundsätzlich dabei auch gewünscht, dass eine Formation mehr als einmal im Bundesland im Rahmen der Musiktage mit dem gleichen Programm auftritt. Natürlich gibt es auch speziell für einzelne Orte entwickelte Konzertformate, die in langfristiger Absprache mit einzelnen Koproduzenten entstehen oder die einer ortsunabhängigen konzeptionellen Idee der künstlerischen Leitung der Musiktage entspringen. Diese wird nach den besonders erfolgreichen Jahren des Intendanten Markus Fein, der als profilierter Festivalmacher aus Hitzacker bekannt ist und danach die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern aus dem Schatten des Schleswig-Holstein-Musikfestivals herausgeführt hat, nun von Katrin Zagrosek wahrgenommen. Und das durchaus auch erfolgreich.

Zagrosek hat die klar vorgezeichnete Linie ihres Vorgängers Markus Fein bisher konsequent weiter verfolgt und nur insofern leichte Korrekturen vorgenommen als sie zwar neue populäre Konzertformate entwickelte, dabei aber nicht so stark in der inhaltlichen Gestaltung der Programme auf klassikfernes Publikum eingeht wie das ihr Vorgänger ab und an gemacht hat. Sie versucht aber durchaus auch weniger Populäres und ungewohnte Töne durch die Art und Weise der Präsentation besonders attraktiv machen. So gab es schon musikalische Radtouren oder Aufführungen in sehr ungewöhnlichen Räumen. Und über allem steht schon seit vielen Jahren immer ein Motto. Meist war dieses sehr allgemein gehalten. Das diesjährige lautet „Raum“.

Zu verstehen ist dieses Motto in vielfachem Sinn: Es geht dabei nicht nur darum, neue Räume für Musik zu gewinnen, sondern auch darum, Musik früherer Zeiten, die für ganz bestimmte historische Räume geschrieben wurde, in heutigen Räumen erfahrbar zu machen. Und einzelne Konzerte sollen ganz dezidiert darauf bauen, dass der Zuhörer sich neue Klangräume erschließt. Zum Beispiel mit einer Alphornmusik in einer Lindenallee bei Hildesheim. Oder im Celler Hafen und einer naheliegenden alten Industriehalle.

Von Reinald Hanke