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Kultur Objekte im Doppelpack in der Handwerksform Hannover
Weltgeschehen Kultur Objekte im Doppelpack in der Handwerksform Hannover
17:27 29.03.2017
Hannover

Der Titel ist dabei so vieldeutig zu verstehen, wie er klingt. So gibt es Dinge, die nur im Doppelpack wirklich Sinn ergeben, Manschettenknöpfe zum Beispiel. Das heißt ja noch lange nicht, dass diese Exponate langweilig sein müssen – Torsten Trautvetter etwa schmückt die Hemdsärmel-Verschlüsse gern mit ungewöhnlichen Motiven wie Aliens und Dalmatinern oder bringt Wortpaare wie „Hinz“ und „Kunz“ zusammen. Ekkehard Morlock wiederum hat zielsicher erkannt, dass Solo-Schach tendenziell weniger Spaß macht, und präsentiert nicht nur ein stilvolles Spielbrett mit abstrakt reduzierten Figuren, sondern auch die dazu passenden Sitzmöbel, selbstverständlich in Schwarzweiß gehalten.

Der paarweise Ansatz kann sich auch eher auf die Schöpfer als auf die Objekte beziehen. So stellen Erika und Uwe Luchtmann in Steyerberg Keramikwaren her, die zwar ein traditionelles Erscheinungsbild haben, aber kein altbackenes. Besonders spannend wird es, wenn sich kreative Kräfte aus unterschiedlichen Gewerken zusammentun. Claudia Craemer hat sich im Keramikbereich auf den Raku-Brand spezialisiert, dessen Ergebnisse nie vorauszusehen sind und oft ein wenig ruppig wirken. Ganz im Gegensatz zu den weich fließenden Wandbespannungen von Annette Reher, wiewohl die Textildesignerin die typischen Raku-Muster aufgegriffen hat. Ebenfalls sehr interessant ist das „Großstadtnomadengeschirr“, das der Ledergestalter Tim Oliver Förster mit der Glas- und Keramikkünstlerin Katinka Dietz entwickelt hat.

Dann gibt es eine Reihe Exponate, die wohl am ehesten das Attribut „schräg“ verdienen. Dazu gehören die Figuren von Renate Ellereit-Laube, die hier stilecht stets als Duo auftreten und mal putzig, mal skurril und mal auch ein wenig albern daherkommen. Simone Fezers Objekte dienen keinem nachvollziehbaren Nutzzweck, sind aber in ihren stachligen, pflanzlichen oder anderweitig organischen Anmutungen von einer ganz eigenen Ästhetik. Und die womöglich exzentrischsten Beiträge stammen von der Niederländerin Eva van Kempen, die für ihren Schmuck schon mal Spritzen oder anderes medizinisches Gerät verwendet.

Zu schauen und zu staunen hat der Besucher in der Handwerksform also wieder einmal eine Menge.

Von Jörg Worat