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Kultur „Orbit“: Neue Werke von Tilo Schulz im Kunstverein Hannover
Weltgeschehen Kultur „Orbit“: Neue Werke von Tilo Schulz im Kunstverein Hannover
09:38 15.07.2014
„Moments before the solution“ - ist eines der Werke von - Tilo Schulz, die derzeit im - Kunstverein Hannover zu sehen sind. Quelle: Kunstverein Hannover
Hannover

Mal provozieren sie Nähe, mal fordern sie Distanz; mal stehen sie einem entgegen: die vier raumgreifenden, ortsspezifischen Installationen, die Räume öffnen, in denen sich das Sehen verliert. Immer aber muss sich der Betrachter diesen Werken gegenüber – räumlich wie mental – neu verorten; denn „Orbit“, Titel dieser Werkschau heißt ja letztlich: Bewegung des Betrachters.

Und so lässt Schulz räumliche Ensemble und Bezugssysteme entstehen, deren Leerstellen auf ineinander bezogenes Handeln von Objekt, Raum und Betrachter erfahren lassen, das insgesamt einem Parcours gleicht durch unterschiedlichste Erfahrungsräume, der dem Besucher im ersten Ausstellungsraum mit sieben horizontal ausgerichteten weißen Tafeln, in unterschiedlich platzierten Abständen, über dem Boden zu schweben scheinen, und gleichzeitig wie Barrieren in die folgenden Räume leiten. Die unterschiedlichen Farbstreifen auf den jeweiligen Tafelrändern, mit einem Rakel aufgetragen, verstärken den Eindruck des Auseinanderdriftens.

Ausgangspunkt im anderen Raum ist eine Bodenskulptur aus grauem Linoleum, dessen jeweilige schwarze Fugen ein geometrisches Raster bildet, deren Flächengröße den nachfolgenden Raum spiegelt. Die mit Polster unterlegten Linolplatten erzeugen ein schwankendes Gefühl. Der gesamte Raum wird von schwarzen Seilen durchkreuzt, die aus dem Raum heraus leiten, gleichzeitig Leere in imaginative Flächen verwandeln. Skulpturale Gewichte aus Beton, am Ende der Seile, mit pastosen Farbschichten bedeckt unterstreichen die Plastizität und das Körperliche der Farbe.

In den beiden größten Räumen dann die große begehbare Skulptur aus zwei gleichen ineinandergreifenden zylindrischen Körpern, deren Ummantelung mit braunem Cordstoff an menschliches Maß erinnern lässt. Vor dem letzten Raum veranlassen Barrieren zur Wiederholung des Parcours – anders herum. Die beiden zwei Meter hohen Holzröhren, als farbenprächtige Bildträger, demonstrieren die Dynamik ihres Entstehungsprozesses.

Mit klassischer Malerei hat Tilo Schulz „nichts am Hut“, seine Neugier gilt der Herausforderung überraschender Grenzerfahrungen. Die Ausstellung ist bis zum 28. September zu sehen. Das Künstlerbuch folgt in Kürze.

Von Klaus Zimmer