Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Pfarrs Zeichnungen sind ultraschräg und komisch
Weltgeschehen Kultur Pfarrs Zeichnungen sind ultraschräg und komisch
12:23 29.11.2018
Bernd Pfarr: "Geistesgegenwärtig hatte Gott damals vom Urknall ein Foto geschossen, welches er immer noch recht eindrucksvoll fand." ZEITmagazin, um 1996. Privatbesitz. Quelle: Gabriele Roth-Pfarr
Hannover

„Eines Tages war Zeus das Blitzeschleudern leid“ steht unter der Zeichnung, und in der Tat hat sich der Göttervater offenbar ein neues Tätigkeitsfeld gesucht: Hinter einer Häuserecke wartet er, um einem nichts ahnenden Passanten eine Torte ins Gesicht zu klatschen. Bizarr? Nichts anderes ist bei einer Ausstellung von Bernd Pfarr zu erwarten, und das Wilhelm-Busch-Museum hat der Schau auch gleich einen passenden Titel gegeben: „Die wilde Schönheit der Auslegeware“.

In diesem Monat wäre der Zeichner, dessen bekannteste Figur „Sondermann“ nicht nur „Titanic“-Lesern ein Begriff sein dürfte, 60 Jahre alt geworden – er verstarb jedoch schon 2004 nach langem Kampf gegen den Lymphdrüsenkrebs. Seiner Kunst merkt man diesen schicksalhaften Lebensweg nicht an: Sie kann ultraschräg sein, auch melancholisch angehaucht, depressiv ist sie nicht.

Vor allem ist sie komisch, und diejenigen, die neben Bildern auch Texte schätzen, kommen hier ganz besonders auf ihre Kosten. Denn mit dem Begriff „Bildunterschrift“ wird man dem, was hier zu lesen steht, oft nicht gerecht, wenn es sich eher um kleine Geschichten handelt, die eine beträchtliche Länge entwickeln können: „Dass ich nur einen einzigen Mitbewerber für die Stelle hatte, war schon mal gut“, sinniert da ein Mann im Wartezimmer des Arbeitsamts und fährt gedanklich fort: „Noch besser war aber, dass dieser Mitbewerber offensichtlich nicht einmal Zeugnisse und Bewerbungsunterlagen dabei hatte! Und diese nachlässige Kleidung! Und diese schlaffe Haltung! Kein Zweifel, der Job als Tanzbär war mir sicher!“ Wobei der hoffnungsfrohe Arbeitssuchende allerdings zu übersehen scheint, dass es sich bei besagtem Mitbewerber eben um einen Bären handelt.

Tiere bilden einen der thematischen Blöcke, mit denen die Ausstellung nach einem quasi als Aperitif gereichten allgemeinen Rundumschlag bestückt ist. Elefant, Straußenvogel oder Hund geben sich hier ein munteres Stelldichein und erreichen schon mal eine philosophische Tiefgründigkeit: „Als Purzel gewahr wurde, wie wenig er im Leben bislang gemäß Kants kategorischem Imperativ gehandelt hatte, überkam ihn großes Wehklagen“ steht unter dem Bild eines bitterlich weinenden Hundes.

„Architektur“ ist ein weiteres Thema wie auch „Autos“ – Pfarr sammelte entsprechendes Spielzeug, und die Ausstellung zeigt einige dieser Modelle. Wichtiger als die Zuordnung zu Motivgruppen ist aber die stilistische Bandbreite der Schau: Pfarr beherrschte die comichafte Zeichnung ebenso wie die Acrylmalerei, wobei es nicht verwegen ist, große Namen der Kunstgeschichte als Vergleich zu bemühen, Edward Hopper zum Beispiel.

Für den Gang durch das Universum der oft langnasigen beziehungsweise -schnauzigen Figuren muss man reichlich Zeit einplanen. Zumal es das Bildergucken alleine oft nicht bringt – was ist etwa von der Darstellung eines rauschebärtigen Herren zu halten, der im Lehnstuhl vor einem Pop-Art-Bild mit der Aufschrift „Wamm!“ sitzt? Das klärt erst der Text.

Von Jörg Worat

In den letzten Jahren ist die ZERO-Kunst wieder stark ins öffentliche Bewusstein gerückt. Das schlägt sich auch in den Auktionspreisen nieder.

29.11.2018

Der Schauspieler Sylvester Stallone hat im Boxer Rocky seine Traumrolle gefunden. Acht Filme hat es mit der Figur gegeben - doch nun ist Schluss.

29.11.2018

Gerade mal 2,8 Millionen Einwohner zählt der Inselstaat in der Karibik - doch mit dem Reggae hat Jamaika die ganze Welt erobert. Jetzt wurde die Musikrichtung von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt.

29.11.2018