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Kultur Pfiffiges Eröffnungsprojekt von Cumberland geht in Hannover gründlich daneben
Weltgeschehen Kultur Pfiffiges Eröffnungsprojekt von Cumberland geht in Hannover gründlich daneben
16:09 06.09.2017
Quelle: Isabel Winarsch
Hannover

Der Auftakt ging allerdings recht gründlich daneben. Was schon damit begann, dass Hausregisseur Alexander Eisenach sich beim ersten Doppelpack nicht an die selbst auferlegten Regeln hielt: Die einzelnen Folgen sollten in bewusster Anlehnung an gewisse TV-Formate 45 Minuten dauern, Eisenach brauchte indes die doppelte Zeit.

Ohne dass die gebotene Substanz dies gerechtfertigt hätte. Grundlage des Textes ist Hans Falladas Roman „Ein Mann will nach oben“, zu dem eine Menge Eigenbau kommt. Zwar gibt es auch hier einen jungen Waisenknaben, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Großstadtdschungel behaupten will, doch landet er nicht in Berlin, sondern in Hannover respektive Linden, das bis 1920 eine eigenständige Stadt gewesen ist. Dort bewirbt sich unser Held bei der Hanomag und hat alsbald jede Menge Stress an der Backe.

Die Figuren ergehen sich vor allem im ersten Teil gern in theoretischen Diskursen über die Verhältnisse im Allgemeinen und Besonderen, während sie immer mehr zu Karikaturen mutieren – der Fabrikchef ist ein Vollidiot, der Kriminalkommissar sieht aus wie ein Zerrbild von Sherlock Holmes, und auch ansonsten hat man nie das Gefühl, dass Eisenach seine Charaktere irgendwie ernst genommen hätte.

Die Spielstätten sind im Cumberland-Universum verteilt, zu Beginn wird das Publikum auf eine einigermaßen sinnfreie Tour durch die verschiedenen Etagen mitgenommen. Anschließend sitzt es durchgehend auf den Treppenstufen und verfolgt denjenigen Teil des Geschehens, der sich gerade anderswo abspielt, auf Bildschirmen. Das ist ebenso unbequem wie anstrengend, und wer bei der Platzwahl Pech gehabt hat, muss zusätzlich damit rechnen, dass ihm die Kabel der Live-Video-Kameras in die Quere kommen.

Es gibt berührende Momente wie Susana Fernandes Genebras Darstellung des alkoholsüchtigen Arbeiters, doch sind sie dünn gesät. Wer sich selbst ein Bild machen will, hat dazu heute und morgen um 19 Uhr die Gelegenheit, wenn die beiden Folgen einzeln gezeigt werden. Und am 14. Oktober geht es in die nächste Runde, dann übernimmt Gordon Kämmerer – womöglich nach dem Motto „Neuer Regisseur, neues Glück“.

Von Jörg Worat