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Kultur Positive Bilanz: Hamburger Theaterfestival erzeugt Kultursucht
Weltgeschehen Kultur Positive Bilanz: Hamburger Theaterfestival erzeugt Kultursucht
13:46 08.11.2017
Hamburg

Hamburg. War die erste Produktion dieses Jahres noch eine Aufführung, die mit größter Genauigkeit den Abgründen der Sprache in Arthur Schnitzlers modernem Klassiker „Professor Bernhardi“ nachforschte und dabei mit Jörg Hartmann einen durch das Fernsehen bekannten Star des deutschen Theaters in der Titelrolle präsentierte, so war die Mannheimer Produktion ein neues Stück in einer kunstvollen Sprache und einer geradezu zeitlosen Thematik: „Das große Feuer“ von Roland Schimmelpfennig. Das war ein ungemein poetischer Abend mit einem parabelhaften Märchen für Erwachsene über zwei sich unterschiedlich entwickelnde Gesellschaften an den gegenüberliegenden Seiten eines Flusses, in dem Sprache, Bild und Musik zu einer höheren Einheit zusammen fanden. Dass mit der fast 80-jährigen Nicole Heesters auch ein großer Name der Schauspielkunst zu erleben war, das war nur das Highlight einer Produktion, die eindringlich thematisierte, dass die Zeitläufe jeden von jedem trennen können und das Schicksal jedes Einzelnen nicht in dessen Hand ist. Dieses Stück in dieser Aufführung wurde zu einem höchst ästhetischen, sinnlichen und dabei nie moralinsauren Aufruf, dass jeder in seinem Umfeld mit Demut und Toleranz agieren möge. Einen besseren Schluss hätte das Festival nicht finden können.

Festivalchef Nikolaus Besch zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz des Festivals, das mehr als 14.000 Zuschauer zählte. Die Auslastung von 90 Prozent spricht für sich. Zum Jubiläumsfestival Nummer 10 im nächsten Jahr möchte Besch erstmals eine der besten europäischen Tanztheatertruppen nach Hamburg holen und dem Festival damit eine neue Facette verleihen. Auch an eine Musiktheaterproduktion und zwei Shakespeare-Projekte ist gedacht. Außerdem lässt Besch noch durchblicken, dass er 2018 durch eine engere Aufführungsfolge mehr Festivalatmosphäre in Hamburg schaffen möchte. „Wir sind ja zu Gast in vielen Häusern. Und das über zwei Monate. Da war es schwer, diese typische Festivalatmosphäre zu erzeugen“, sagt er. Besch hat festgestellt, dass bei den Zuschauern in der Kernzeit des Festivals fast so etwas wie eine ‚Kultursucht‘ im besten Sinne entstanden war, die er gerne auch nächstes Jahr wieder erleben würde. (rh)

Von Reinald Hanke