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Kultur Premiere verliert an Sinnlichkeit
Weltgeschehen Kultur Premiere verliert an Sinnlichkeit
13:19 07.05.2018
Silvester von Hösslin und Sarah Franke (von links) sind derzeit in „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen am Schauspiel Hannover zu erleben. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Und damit wäre auch gleich die Crux der Premiere genannt: Prinzipiell ist ja gegen Fremdtexte nichts einzuwenden, nur übertreibt es Regisseur Alexander Eisenach damit recht arg. Da nützt es dann auch nicht mehr viel, dass der Aristophanes-Text durchaus ebenso einen logischen Zusammenhang ergibt wie an anderer Stelle die Einbringung von Nietzsches Gedankengut – hier gehen die intellektuellen Übungen deutlich zu Lasten der Sinnlichkeit.

Die Aktualität des Stoffes kommt gleichwohl klar zum Tragen, nämlich das Monströse, das sich aus purem Überdruss entwickeln kann. Rein äußerlich scheint es Hedda Gabler an nichts zu mangeln. Die unlängst geschlossene Ehe mit Jörgen Tesman war indes keine Liebesheirat, sondern diente vor allem der finanziellen Absicherung – nun fühlt sich Hedda an der Seite des drögen Bücherwurms unterfordert. Irgendetwas soll passieren, irgendetwas Großes. Der Wunsch, einmal grenzenlose Macht ausüben zu können, setzt sich fest – da kommt es gerade recht, dass der genialische, aber psychisch instabile Ejlert Lövborg wieder in der Stadt ist. Und die Tragödie nimmt unaufhaltsam ihren Lauf.

Dieser Sog spiegelt sich im regelmäßig kreiselnden Bühnenbild von Daniel Wollenzin. Regisseur Eisenach fährt auf, was die angesagten Inszenierungsformen so zu bieten haben: Die Slapstickmomente wirken zuweilen deplatziert, während die hinlänglich bekannten Live-Videos hier tatsächlich eine weitere Ebene ins Spiel bringen – das ist schon spannend, wenn die Gesichter plötzlich im Großformat erscheinen.

Was allerdings nicht zu knapp daran liegt, dass Hannover nun einmal ein hervorragendes Ensemble zu bieten hat. Silvester von Hösslin gibt sich als Jörgen auf fast liebenswerte Weise furchtbar borniert, Daniel Nerlich lässt in der Rolle des Ejlert den Punk heraushängen. Janko Kahle ist ein aasiger Assessor Brack, Beatrice Frey eine schreckschraubige Juliane Tesman, Lisa Natalie Arnold eine anrührend-naive Thea Elvsted: allesamt überzeugend. Johanna Bantzer darf als Dienstmädchen Berte mehr oder minder sanft entgleisen. Und Sarah Franke findet in der Titelrolle die richtige Balance zwischen Sehnsucht und Eiseskälte – nachvollziehbar bleibt der Charakter ihrer Hedda trotz der entsetzlichen Handlungen sehr wohl.

Zwischendurch mutiert Ejlert zu Osvald, und dann sind wir zwar immer noch bei Ibsen, aber nicht mehr in „Hedda Gabler“, sondern in „Gespenster“. Vielleicht sind gleichwohl nicht genügend Literaturwissenschaftler im Publikum, die sich an derartigen Anspielungen erfreuen mögen: Der Schlussapplaus wirkt eher ausführlich als herzlich.

Von Jörg Worat

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