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Kultur Publikum ist beim Tanzkongress hautnah dabei
Weltgeschehen Kultur Publikum ist beim Tanzkongress hautnah dabei
13:09 17.06.2016
Der Tänzer und Choreograph Boris Charmatz (links) hat das dreiteilige Publikumsprogrammdes Tanzkongresses 2016 in Hannover entwickelt. Quelle: Peter Steffen
Hannover

Boris Charmatz, höchst renommierter Tänzer und Choreograph aus Frankreich, entwickelte ein dreiteiliges Programm, das die Besucher auf unterschiedliche Weise einband. Beim Warm-up auf dem Opernplatz konnte jeder mitmachen: Charmatz verwandelte die zahlreichen Teilnehmer in lebende Skulpturen, lehrte sie einen Ausschnitt aus dem „Hexentanz“ der hannoverschen Legende Mary Wigman oder forderte sich zu Improvisationen auf: „Und nun bewegt die Beine. Absurde Bewegungen, intelligente, dumme …“

Anschließend öffnete sich, nun im Inneren des Opernhauses, das „Musée de la danse“. Eine faszinierende Angelegenheit: Von der Bühne über die Flure bis zu den Foyers zeigten Akteure Einblicke in die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mal ging’s neoklassisch zu, mal avantgardistisch, auch die Popkultur fand ihren Platz – Mani Mungais temperamentvolle Interpretation von Michael Jacksons „Bad“ gehörte zu den Publikumslieblingen. Schwerere Kost war die Hommage der Ungarin Boglárka Börcsök an Tanzikone Valeska Gert mit provokativem Einsatz von Körper und Stimme. Fabrice Mazliah widmete sich in seinen Beiträgen William Forsythe, bei Ashley Chen stand Merce Cunningham im Mittelpunkt. Da die Veranstaltung auf drei Stunden angesetzt war, bestand genügend Zeit zum Flanieren, die Akteure erläuterten zudem ihr Treiben.

Zur Geschmackssache in mehrfacher Hinsicht wurde das abschließende „Manger“. Charmatz’ 13-köpfiges Ensemble behandelt hier den Vorgang des Essens, bei der „Tanzkongress“-Version war das Publikum auf der Opernhaus-Bühne hautnah dabei. Kompromisslos wälzten sich die Akteure, an Papierfetzen mampfend, über den Boden, verknoteten sich untereinander, sangen zwischendurch und drohten schon mal Besucher abzuräumen, die es sich gemacht hatten.

Heute ist unter anderem das große Ensemblestück „Tenir le temps“ von Starchoreograf Rachid Ouramdane im Schauspielhaus angesagt, während die Compagnie Alias in der Orangerie unbekleidet auftritt.

Von Jörg Worat