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Kultur Rätselhaftes Faszinosum Saunders und ein mitreißender Schubert
Weltgeschehen Kultur Rätselhaftes Faszinosum Saunders und ein mitreißender Schubert
12:28 03.08.2017
Das Parker-Quartett spielte Frans Schuberts fast einstündiges Oktett mit den vier deutschen Musikern (von rechts) Kilian Herold, Theo Plath, Marie-Luise Neunecker und Benedict Ziervogel. Quelle: Kay-Christian Heine
Hitzacker

Schon ihr ganz frühes Trio geriet zwar fast schmerzend in der Grellheit seiner Farben und man dachte schnell an den frühen Wolfgang Rihm. Tatsächlich entstand dieses Stück am Ende ihrer Lehrzeit bei diesem allgemein als Meister seines Faches angesehenen Komponisten. Aber obgleich dieses Werk noch nicht so viel Eigenes zeigt, so hörte man gebannt zu.

Fast zwanzig Jahre später entstand ein Klavierstück von Saunders, das fast wie eine verschwimmende schattenwerfende Spiegelung des frühen Stückes nach innen wirkte: „Shadow“ heißt das Stück und es wurde ungemein klangschön von Claudia Chan gespielt. Als drittes folgte noch ein Stück, das statische Annäherungen an Stille mit fünf Instrumenten versuchte. Fast stehende Klänge, die nur ganz vorsichtig melodische oder harmonische Bewegungen einfingen, schwebten durch den Raum. Hier mal ein ganz langsamer musikalischer Seufzer oder ein kleiner Klavieraufschwung, dort ganz lange Bläserreibungen, die sich immer wieder mikrotonal verändern. Dabei atemlose Stille im gut besuchten Saal.

Sicher gab es auch manch ratlosen Zuhörer, aber Hitzacker zeichnet sich eben dadurch aus, dass hier ein offenohriges Publikum sitzt, das das Gebotene mit voller Konzentration aufnimmt. Und das war von einer kaum erklärbaren Faszination. Es gibt viele Komponisten heute, deren Musik im ersten Moment ähnlich zu sein scheint wie die von Saunders, aber bei den Wenigsten entsteht dieses Zwingende der Musik von Saunders, das einen in Bann zieht. Es bleibt ihr Geheimnis, wie sie das macht. Dass es die beiden zwischengeschalteten Stücke von Tristan Murail und Oliver Schneller schwer hatten gegen diese klangliche Saunders-Konzentration zu bestehen, das war kein Wunder.

Am Schluss des Abends dann Franz Schubert fast einstündiges Oktett gespielt vom amerikanischen Parker-Quartett und vier deutschen Musikern. Das war zunächst eine problematische Konstellation, denn die Parkers spielten zwar technisch und klanglich perfekt, aber zu glatt und mit zu wenig Seele. Genau das Umgekehrte war von den anderen Musikern zu hören. Aber diese zogen spätestens ab dem dritten Satz die Parkers immer mehr mit.

So wurde die Wiedergabe von Minute zu Minute begeisternder, so dass der allgemeine Jubel der Zuhörer am Ende berechtigt war. Dieses Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Musizierhaltungen im Rahmen der „Sommerresidenz Hitzacker“ hatte also schönste Früchte getragen.

Von Reinald Hanke