Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur „Ragtime“: Broadway in Braunschweig angekommen
Weltgeschehen Kultur „Ragtime“: Broadway in Braunschweig angekommen
12:51 07.10.2015
Das Staatstheater Braunschweig zeigt erfolgreich und in deutscher Erstaufführung das - schwungvolle Musical „Ragtime“ mit Alvin Le-Bass (Mitte) in einer der Hauptrollen (hier noch - zu sehen das Harlem-Ensemble). Quelle: Volker Beinhorn
Braunschweig

Er entstand zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und brachte als Vorläufer des Jazz mit seinen neuartigen Rhythmen die Musikwelt zum Kochen. Damals ging Amerika einer neuen Zeit entgegen. Es war die Zeit des „Ragtime“ und es war der Beginn des „American Dream“, in der jeder die Freiheit hat, seine Ziele zu erreichen und jeder es zu Ruhm und Wohlstand bringen kann, wenn er nur hart genug dafür arbeitet. „Ragtime“, so heißen auch die „bittersüßen Geschichten aus dem New Yorker Leben“, die jetzt als Musical in deutscher Erstaufführung am Staatstheater Braunschweig zu sehen sind. Mit großem Erfolg.

Fast könnte man glauben, dass sich unter der Leitung von Operndirektor Philipp Kochheim im Schatten von Schauspiel und Oper mit der Hereinnahme des aufwendig gestalteten Musicals ein neuer, gewichtiger Schwerpunkt in Braunschweig bildet. Nach dem großen Erfolg mit „My Fair Lady“ inszeniert Kochheim auch „Ragtime“ mit üppiger Ausstattung, farbensatt und ganz im Stile des Broadways mit rasanten Tanznummern, englischen Songtexten und deutschen Dialogen und weitgehend mit Gästen, die gesanglich und tänzerisch im Musicalbereich zu Hause sind. Das hat Schwung und reißt mit, auch wenn besonders zu Beginn einige Längen nicht zu übersehen sind. Aber das liegt am Stück und nicht an der Inszenierung.

„Ragtime“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Edgar Lawrence Doctorow und erzählt ineinander laufende Geschichten von Schwarzen und Weißen, von Wohlstand, Diskriminierung und Gleichberechtigung in einer von Weißen dominierten Gesellschaft. Während der farbige Ragtime-Pianist Coalhouse Walker aufgrund seiner Hautfarbe Gerechtigkeit nicht erwarten kann als irischstämmige Feuerwehrleute sein neues Auto zerstören, kann der jüdische Immigrant Tateh zusammen mit seiner kleinen Tochter seinen Traum von Wohlstand und Glück verwirklichen. Das alles ist nicht frei von überbordenden Emotionen. Philipp Kochheim macht jedoch keine Experimente, vermeidet Anspielungen auf tagespolitische Ereignisse und bleibt auch in der historischen Ausstattung ganz der Tradition verhaftet. Hervorragend. Der Broadway ist in Braunschweig angekommen.

Von Hartmut Jakubowsky