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Kultur Reichhaltiger Rundumschlag mit Tieren
Weltgeschehen Kultur Reichhaltiger Rundumschlag mit Tieren
04:22 13.02.2018
Karikaturen mit Tieren aus mehr als 200 Jahren zeigt das Museum Wilhelm Busch in der Ausstellung „Zahme Viecher & wilde Bestien“ – hier zu sehen das Bild „La Pieuvre Russe“ (Die russische Krake, 1877/1878), Tomi Ungerers Werk ohne Titel von 1966 (kleines Bild oben) und „Für Marianne“ von Günter Kunert von 1971(kleines Bild unten). Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Rund 220 Exponate sind zu sehen, die Tour geht im 18. Jahrhundert los und endet in der Gegenwart. Manches hat sich im Laufe der Zeit nicht wesentlich geändert, zum Beispiel menschliche Eitelkeit und der spöttische Blick darauf: Um 1820 gestaltete ein anonymer Grafiker den „Hagestolz“ als Pfau – und stellte ihm auch gleich noch ein nicht minder blasiert dreinschauendes Hündchen an die Seite –, 1966 ließ Tomi Ungerer ein geschminktes Wesen mit hochhackigen Schuhen wohlgefällig in den Spiegel schauen, ein Wesen wohlgemerkt, das verdächtige Ähnlichkeit mit einem Mandrill hat.

Auch F. K. Waechter, dessen Nachlass das Busch-Museum besitzt, hat sich gern der Tiere angenommen. Der Klassiker „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“ fehlt nicht („Der musste einfach sein“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow), und auch die Bilderfolge „Der König möcht kegeln“ wird mancher Fan kennen: Wenn ihre Majestät zum Spiel schreitet, kommt bei den Untertanen Missmut auf – weil sie als Kegel fungieren müssen. Selbstverständlich ist der Namenspatron des Hauses ebenfalls vertreten, und wer mit Wilhelm Busch diesbezüglich nur Fips, den Affen, in Verbindung bringt, wird durch diese variable Auswahl eines Besseren belehrt.

Eine Abteilung im Obergeschoss widmet sich den Wappentieren, zeigt den gallischen Hahn, den englischen Löwen oder den preußischen Adler. Hier gibt es zudem einen reichhaltigen Rundumschlag zum Thema „Politische Allegorie“: Eine Grafik von 1877/78 stellt Russland als gierige Krake dar, und aus heutiger Sicht etwas bizarr mutet angesichts der jüngeren Entwicklung ein Blatt aus den 60er Jahren an, thematisiert es doch den ausdrücklichen Wunsch Großbritanniens, der EWG beizutreten – de Gaulle stand solchen Plänen zumindest anfangs ablehnend gegenüber.

Walter Hanel wiederum nahm 1995 SPD-Persönlichkeiten aufs Korn: „Das waren noch Kampfhunde!“, seufzt da jemand vor Gemälden von Herbert Wehner und Helmut Schmidt, derweil als schmächtige Schoßhündchen Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping die Szenerie betrachten.

Es ist schon toll, was die hauseigene Sammlung so zu bieten hat, und nicht zuletzt präsentiert das Museum in dieser Ausstellung stolz einige Neuerwerbungen, etwa Blätter aus der skurrilen Welt des Bernd Pfarr – auf einem davon steht „Heinzis Brief-Kurier“ vor einem im wahrsten Sinne des Wortes großen Problem: Wie soll der Postbote nur den in luftiger Höhe am Baum angebrachten Briefkasten für die Giraffen erreichen?

Von Jörg Worat

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