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Kultur Rituale ganz ohne Pflicht: Mädchenchor in Hannovers Marktkirche
Weltgeschehen Kultur Rituale ganz ohne Pflicht: Mädchenchor in Hannovers Marktkirche
18:38 17.12.2017
Hannover

Es gibt bei diesen Konzerten ein paar liebgewonnene Rituale: Der Chor tritt zu Beginn singend auf und am Schluss singend ab; Stücke wie „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“ haben ihren festen Platz, ohne allerdings zu Pflichtübungen zu werden – hier herrscht eine ebenso ausgeprägte Klangkultur wie bei den komplexeren Werken. Früher oder später verlassen einige Sängerinnen die Bühne und verteilen sich im Kirchenraum, diesmal etwa bei „Der Heiland ist geboren“ mit drei charmanten Terzetten.

Aktuell ist beim Mädchenchor eine Übergangszeit angesagt, und dies kam sichtbar zum Tragen: Die langjährige Chorleiterin Gudrun Schröfel und ihr Nachfolger Andreas Felber stellten erstmals ein gemeinsam einstudiertes Programm vor. Beide wechselten sich an diesem Abend ab, und angesichts der Übereinstimmungen im engagiert-konzentrierten Dirigierstil scheint sich da eine sehr organische Entwicklung anzubahnen.

Zu einem Höhepunkt wurde Mozarts „Missa brevis in B“, bei aller Besinnlichkeit durchaus erdverbunden interpretiert. Die Weihnachtslieder-Blocks von Peter Cornelius und Engelbert Humperdinck gefielen durch ihren Abwechslungsreichtum. Ein reiner A-cappella-Abend war nicht angesagt: Das „Ensemble Oktoplus“ um Friederike Starkloff, Konzertmeisterin der NDR-Radiophilharmonie, begleitete die Sängerinnen bei Bedarf einfühlsam und hatte mit Beethovens zwölf Variationen über ein Händel-Thema die Bühne für sich – da ging die Post manchmal mächtig ab, wenngleich die Raumakustik der Kirche für solche Art von Musik sicherlich suboptimal ist.

Bezeichnend schließlich der Auftritt des Nachwuchschors: Statt den jungen Damen putzige Belanglosigkeiten aufzudrücken, hatte man ihnen mit Cécile Chaminades „Messe pour deux voix égales“ ein formal wie inhaltlich anspruchsvolles Werk an die Hand gegeben. Da klappte dann auch noch nicht alles reibungslos, aber Unterforderung wäre sicherlich der falsche Weg – es hat ja seine Gründe, dass der Mädchenchor Hannover sich trotz ständiger naturgegebener Umbesetzung schon so lange konstant in der internationalen Spitzenklasse hält. Gewaltiger Schlussapplaus.

Von Jörg Worat