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Kultur Rudolf Buchbinder stellt Persönlichkeit in den Dienst der Musik
Weltgeschehen Kultur Rudolf Buchbinder stellt Persönlichkeit in den Dienst der Musik
09:03 07.05.2014
Rudolf - Buchbinder Quelle: Susanne Harbott
Hannover

Der Pianist mixt bekanntlich Sonaten aus unterschiedlichen Perioden, so waren diesmal die Nummern 2, 9, 15, 23 und 27 angesagt. Und auch die nicht in chronologischer Folge, nachvollziehbar, weil sich die 23., die effektvolle „Appassionata“, trefflich als Schlusspunkt eignet.

Was Buchbinders Vortrag immer wieder zu etwas Besonderem macht, ist seine Fähigkeit, die individuellen Züge jeder Komposition, ja jedes einzelnen Satzes herauszuarbeiten. Wobei dieses Wort insofern etwas unpassend ist, als hier alles so selbstverständlich klingt: Das kann verspielt sein oder verträumt oder auch ein bisschen verrückt, und immer wirkt es völlig logisch. Da wundert man sich kaum noch, wenn der einen oder anderen Passage fast ein Hauch von frühem Jazz innezuwohnen scheint.

Toll außerdem, wie gleichsam beiläufig Buchbinder oft die Satzschlüsse gestaltet – da wird nur dann noch einer draufgesetzt, wenn die Komposition das auch verlangt. Überhaupt geht’s hier nie um Effekte, und Irritationen, etwa ein paar überscharfe Anschläge im ersten Satz der 27. Sonate, waren an diesem Abend höchstens mit der Lupe zu finden.

Die Frage nach Höhepunkten ist daher nur schwer zu beantworten. Vielleicht geriet der Teil vor der Pause sogar noch etwas beeindruckender: Wie Buchbinder seine Persönlichkeit ganz in den Dienst der Musik stellt, war besonders bei der 15., der „Pastorale“ (der einigermaßen verfehlte Beiname stammt übrigens ebenso wie „Appassionata“ nicht von Beethoven selbst), wunderbar zu verfolgen.

Die Reaktionen bewiesen, dass nicht nur die großen Showmaster an den Tasten Begeisterung hervorrufen können. Da war’s auch zu verschmerzen, dass Buchbinder mit dem Finale aus der „Sturm“-Sonate zum wiederholten Male dieselbe Zugabe spielte.

Der sechste Teil des Sonatenzaubers ist für den 2. März 2015 angesetzt. Nicht verpassen!

Von Jörg Worat