Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Rufus Beck brilliert im "Sommernachtstraum"
Weltgeschehen Kultur Rufus Beck brilliert im "Sommernachtstraum"
17:47 06.08.2017
Rufus Beck Quelle: Christian Kaufmann
Hannover

Die Wettervorhersage für den Abend war nicht eindeutig, so dass ein kleiner Baldachin auf der Bühne stand. Eine richtige Entscheidung, denn tatsächlich sollte es ein wenig nieseln; andererseits nicht so sehr, dass man die Vorstellung in die Orangerie hätte verlegen müssen.

Rufus Beck, bekannt unter anderem durch den Film „Der bewegte Mann“ und die „Harry-Potter“-Hörbücher, zog alle Register. Nach einer launigen Begrüßung, in der das norddeutsche Publikum vom Wahlmünchner bescheinigt bekam, witterungsmäßig „hart im Nehmen“ zu sein, ging‘s auch gleich zu Sache. Zunächst allerdings musikalisch, hatte Beck doch das Trio „Tango Transit“ an seiner Seite, das sich bei diversen Zwischenspielen als großer Glücksgriff erwies: Akkordeonist Martin Wagner, Kontrabassist Hanns Höhn und Drummer Andreas Neubauer überführten Mendelssohns „Sommernachstraum“-Ansätze mit viel subtilem Groove in jazzige Gefilde.

Becks szenische Lesung orientierte sich eher an Michael Köhlmaiers „Shakespeare neu erzählt“ als an den Originaltexten. Gerne wurde es etwas flapsig – dann kam beispielsweise Angela Merkel ins Spiel, und selbst wenn der Name Arno Schmidt nie explizit genannt wurde, erkannten nicht nur eventuell anwesende Bargfelder die Anspielungen auf das Mammutwerk „Zettels Traum“.

Natürlich hatte der Darsteller auch sämtliche Mitglieder der schrägen Handwerkertruppe drauf, die hier „Pyramus und Thisbe“ als Stück im Stück einübt. Von einer Sekunde zur anderen ließ Beck die Stimmlage kippen, sogar mitten im Satz, etwa bei unvermittelten Auftritten des tiefenentspannten Oberon. Ganz ohne Übertreibungen ging das alles nicht vonstatten, sie bildeten aber die absolute Ausnahme. Und dass sich der vielseitige Akteur an seine Umgebung anzupassen weiß, zeigte sich unter anderem daran, dass er spontan eine der güldenen Statuen des Gartentheaters ins Spiel miteinbezog.

War es ein amüsanter Abend? Zweifellos. Ein kurzweiliger? Auch das. Ein mehrschichtiger? Ja, dies aber mit leichten Abstrichen: Die Abgründe, die bei Shakespeare so oft unter der vermeintlich heiteren Oberfläche lauern, kamen nur bedingt zur Geltung. Nennen wir es Entertainment der gehobenen Klasse.

Im Gartentheater geht es bis zum 26. August munter weiter. In Angebot sind ein Open-Air-Kino, diverse Musikveranstaltungen und zum Abschluss „Die lustigen Weiber von Windsor“ mit dem Monbijou Theater. Näheres unter www.hannover.de/Herrenhausen.

Von Jörg Worat