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Kultur „Salome“ beeindruckt bei Premiere
Weltgeschehen Kultur „Salome“ beeindruckt bei Premiere
13:23 21.11.2017
Hannover

Das Auftreten von Dissonanzen, die nicht mehr nach den klassischen Regeln der Harmonielehre aufgelöst werden können, gewaltige Intervallsprünge und die Veränderungen der Klangfarben taten ein Übriges. Ein Erfolg wurde „Salome“ dennoch. Auch wenn man heutzutage weitgehend an Dissonanzen und musikalische Gegensätze gewöhnt ist – Diskussionsbedarf schien es nach der Premiere der „Salome“ (Inszenierung Ingo Kerkhof) beim Verlassen des Opernhauses Hannover bei großen Teilen des Publikums trotzdem zu geben. Und das, nachdem man am Ende die Aufführung mit einhelligem Beifall, endlosem Jubel und zahlreichen Bravorufen gefeiert hatte. Diese Begeisterung aber galt in erster Linie den grandiosen Sängerdarstellern sowie dem Niedersächsischen Staatsorchester in Höchstform unter der Leitung von Ivan Repusic.

Der junge Narraboth (mit klarem Tenor Simon Bode) ist überwältigt von der Schönheit Salomes, der Stieftochter des Herodes. Aus einer Zisterne hört man die Stimme des Propheten Jochanaan (stimmlich überzeugend Brian Davis), den Herodes dort gefangen hält. Salome ist fasziniert von dem Gefangenen, aber Jochanaan nimmt zunächst keine Notiz von ihr und beschimpft Herodes und Salomes Mutter Herodias. Um sich von den düsteren Prophezeiungen Jochanaans abzulenken, bittet Herodes Salome, für ihn zu tanzen. Dafür verspricht er, ihr einen Wunsch zu erfüllen, was auch immer es sei. Zu seinem Schrecken fordert Salome nach dem Tanz als Preis den Kopf des Jochanaan auf einem Silbertablett.

Für die Rolle der Salome ist Annemarie Kremer eine ideale Besetzung. Mit scheinbarer Leichtigkeit meistert ihr volltönender Sopran auch die heikelsten Intervalle mit einem stimmlichen Volumen und mit jener intonatorischer Sicherheit, die staunen lässt. Eine prächtige Ergänzung was Reinheit, Frische und gesangliche Brillanz betrifft, war Khatuna Mikaberidze als Herodias, und reich an stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten mit fließendem Registerwechsel und einer schlüssigen Phrasierung war Robert Künzli als Herodes.

Das Bühnenbild von Anne Neuser, auf Schlichtheit ausgerichtet, ist eine Mischung aus konzertanter und darstellender Aufführung und bezieht Teile des Zuschauerraums mit ein. Ein beeindruckender Opernabend.

Von Hartmut Jakubowsky