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Kultur Schlagzeugkonzert in Hannover musikalisch „allererste Sahne“
Weltgeschehen Kultur Schlagzeugkonzert in Hannover musikalisch „allererste Sahne“
21:19 06.05.2015
Hannover

Das Schlagzeugkonzert war eigentlich nur zustande gekommen, weil für die Aufführung von Olivier Messiaens „Éclairs sur l’Au-Delà …“ ohnehin schon viele Perkussionisten im Opernhaus weilten. Also telefonierte man kurzentschlossen noch weitere Verstärkung herbei und stellte ein phänomenales Extra-Programm auf die Beine.

Es wirkte alles etwas improvisiert an diesem Abend, einschließlich der angenehm unperfekten Moderation durch Philipp Kohnke. Musikalisch indes war’s allererste Sahne, führte den erfreulich zahlreich erschienenen Besuchern vor Augen und Ohren, was Schlagzeug alles sein kann.

Natürlich Rhythmus, wobei Iannis Xenakis’ „Peaux“ für sechs Trommler gleich zum Auftakt deutlich machte, wie trickreich sich Metren gegeneinander verschieben können. Dass auch in einer einzigen Pauke zahlreiche Klangnuancen stecken können, demonstrierte Arno Schlenk vom Staatsorchester nachdrücklich beim „Donner“ von Peter Eötvös. Und mit diversen Klöppelinstrumenten kamen ausgeprägt melodische Elemente ins Spiel. Sogar solche lyrischer Natur wie bei Maurice Ravels „Alborada del gracioso“ in einer Version für zwei Marimbas, wunderbar homogen interpretiert vom Ehepaar Agnieszka und Oliver Arlt, normalerweise in der NDR Radiophilharmonie zugange. Nicht minder kompakt setzte das Quartett „StiX“ drei Tangos von Astor Piazzolla um, und auch wer dieses in den vergangenen Jahren arg viel gespielten Komponisten etwas überdrüssig geworden ist, dürfte von den ebenso facettenreichen wie fulminanten Interpretationen mitgerissen worden sein.

Für den abgedrehtesten Beitrag zeichnete sich Michael Pattmann verantwortlich. Karlheinz Stockhausens Solostück „Nasenflügeltanz“ erfordert nicht nur die Einbindung von Elektronik, sondern auch stimmliche und gestische Aktivitäten des Schlagzeugers. So etwas kann leicht im Kuriosen stecken bleiben oder schlimmstenfalls peinlich werden – beides wusste Pattmann mit seiner hochkonzentrierten Performance zu verhindern.

Zum Abschluss die große Besetzung bei „Ionisation“ von Edgar Varèse: 13 Instrumentalisten, die unter anderem Sirenengeheul einsetzten. Typisch für diesen Abend, dass auch das durchaus geschmackvoll geschah und nicht dem Selbstzweck diente – das Publikum reagierte mit großer Begeisterung inklusive Jubeljuchzern und Beifallspfiffen.

Von Jörg Worat