Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Schwierigste Physik und anspruchsvolle Musik gemeinsam stark
Weltgeschehen Kultur Schwierigste Physik und anspruchsvolle Musik gemeinsam stark
13:47 11.09.2017
Dass Gravitationswellen auch hörbar gemacht werden können, war im Lichthof der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover zu erleben. Quelle: Helge Krueckeberg
Hannover

Genau das können die Besucher der Veranstaltung „Raum.Zeit.Musik“ im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage behaupten. Sie wurden Augen- und Ohrenzeuge eines Vortrags des mit höchsten internationalen Wissenschaftspreisen dekorierten Physikers Karsten Danzmann, der den durchweg überzeugenden Musikern der Formation Elbtonal Percussion und dem groß besetzten Jungen Vokalensemble Hannover unter Klaus-Jürgen Etzold ein wenig die Schau stahl.

Dass das gelingen konnte in Anbetracht eines Themas aus dem Bereich der Quantenphysik, das war schon erstaunlich, denn fachlich hat außer ein paar Wissenschaftlern wohl kaum jemand den Ausführungen Danzmanns folgen können. Trotzdem hat er seine Begeisterung für sein Lebensthema, dem Nachweis von Gravitationswellen im All, dem großen Publikum einleuchtend herübergebracht. Immer wieder hat er komplizierteste Sachverhalte auf einfachste Alltagsvergleiche heruntergebrochen, so dass die Zuhörerschaft sich zumindest halbwegs etwas darunter vorstellen konnte. Wie Danzmann von dem Moment dieser Entdeckungen aus dem Jahr 2015 mit fast jugendlichem Feuer, leuchtenden Augen und mit noch immer vor Freude bebender Stimme erzählt, das prägte den Abend. Und da Gravitationswellen hörbar gemacht werden können, gab es Klänge zu hören, die entstehen wenn sich zwei sogenannte schwarze Löcher im All zu einem vereinigen. Das war faszinierend.

Es wäre sicher für das Gesamtkonzept noch überzeugender gewesen, wenn diese Klänge in irgendeiner Weise auch in der dargebotenen Musik eine Rolle gespielt hätte. Das war nicht der Fall. Aber das Programm war geprägt von Stücken, die mit dem Tod, dem Himmel und dem Weltall zu tun hatten. Man musizierte verschiedene Raummusiken, die die Möglichkeiten des Lichthofs optimal ausnutzten und so Raumklangerlebnisse der besonderen Art ermöglichte. Mal stand der Chor breit aufgestellt vorne, mal um das Publikum herum, mal auf den Gängen eine Etage höher und auf den Treppen. Insgesamt ein ganz starker Abend.

Von Reinald Hanke