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Kultur Shakespeares „Othello“ feiert in Hannover Premiere
Weltgeschehen Kultur Shakespeares „Othello“ feiert in Hannover Premiere
16:29 25.01.2017
Hannover

Allerdings werden die entsprechenden Debatten auf der Ballhof-Bühne ausführlich thematisiert. Welche Bezeichnung etwa ist denn nun politisch korrekt? Die schlimmsten Beleidigungen werden aufgefahren und für statthaft erklärt, wenn nur „das N-Wort“ nicht fällt. Das steht zwar nicht bei Shakespeare, ebensowenig wie manch anderes an diesem Abend, aber wir haben es ja auch mit einer Textbearbeitung von „Soeren Voima“ zu tun – hinter diesem Pseudonym verbirgt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der ehemalige hannoversche Dramaturg Christian Tschirner.

Regie führt Florian Fiedler in seiner letzten Inszenierung als Leiter des hiesigen Jungen Schauspiels, bevor er zur kommenden Saison als Intendant nach Oberhausen wechselt. Es bleibt nicht ohne Konsequenzen, dass der Ballhof auch und vor allem als Spielort für ein jüngeres Publikum gedacht ist, denn bei diesem „Othello“ gibt es eine Menge Budenzauber. Fiedler hat die Handlung in ein Militärcamp verlegt, und zuweilen fühlt man sich in atmosphärischer Hinsicht an gewisse Genre-Filme der 70er Jahre erinnert: Alles ist trashig, Hemmschwellen gehen über den Jordan, und einen Knall haben sowieso alle Beteiligten.

Nun darf man mit Shakespeare sicherlich spielen, er verträgt Verfremdungen und Aktualisierungen besser als viele andere Autoren. Leider wird in dieser Fassung aber sehr dick aufgetragen: Es gibt Slapstick und sogar eine Aerobic-Sequenz, ein schräger DJ wirkt mit, Cassio vergnügt sich mit einer Gruppe Toy Boys. Die tragische Dimension der Handlung droht in diesem Getümmel unterzugehen.

Zumindest in der ersten Hälfte. Dann kristallisieren sich schon eher Grundzüge heraus, die auch nachdenklich machen können. Das liegt nicht zuletzt an den Darstellern: Janko Kahle bleibt in der Verwirrung ebenso authentisch wie in der Wut, und mit Philippe Goos in der Rolle des intriganten Jago kann das Staatsschauspiel ein echtes Trumpf-As aufbieten, weiß doch kaum jemand die Balance zwischen jungenhafter Freundlichkeit und Hinterlist so gut zu halten wie dieser Mime. Ihm gehört auch die Schlusspointe, ein letztes Spiel um die Frage „schwarz oder nicht schwarz“ – mit „Black!“ gibt er die übliche Regieanweisung, wenn es auf der Bühne dunkel werden soll.

Fazit: Man muss es nicht so machen, aber man kann. Das Premierenpublikum schien zu guten Teilen recht begeistert.

Von Jörg Worat