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Kultur Sinfoniekonzert mit Fülle an Klangfarben
Weltgeschehen Kultur Sinfoniekonzert mit Fülle an Klangfarben
13:02 13.09.2017
Hannover

Der Präzision war das im Gesamtbild nicht immer dienlich. Dafür wurde man jedoch durch eine Fülle von Klangfarben und originellen Ideen entschädigt. Vogt, Professor an der hannoverschen Musikhochschule, scheute nicht die starken Kontraste, schmuggelte etwa nach zahlreichen aufwühlenden Passagen einigen Charme in das Finale und ließ im dritten Satz Cellist Reynard Rott dominieren, während er selbst sich den Themen eher tastend näherte. Für all das hatte er im Programmheft-Aufsatz schlüssige Erklärungen parat, sympathischerweise ohne jeden Anspruch auf Deutungshoheit. Das Publikum reagierte höchst animiert und bekam dafür als Zugabe einen wunderbar schlicht intonierten Brahms-Walzer serviert.

Nach der Pause tauschte Vogt Flügel gegen Podium und dirigierte die 5. Symphonie des Brahms-Freundes Antonín Dvorák. In Sachen Klangreich-tum war diese Interpretation dem Klavierkonzert ebenbürtig, bezüglich der Empfindungstiefe nicht – das aber liegt an der Komposition. Die Spielfreude schien sich jedenfalls von Dirigent und Musikern auf die Zuhörer zu übertragen: Für einen ebenso runden wie durchdachten Vortrag gab es viel Beifall, kleine Wackler in der Bläserfraktion waren schnell vergessen.

Die Neugier auf die kommende Saison ist mit diesem gelungenen Einstieg zweifellos geweckt, und auch der nächste Programmpunkt könnte spannend werden: Am 8. und 9. Oktober gibt es unter der Leitung von Generalmusikdirektor Ivan Repušic Beethovens 5. Symphonie und die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss mit der Sopranistin Kelly God zu hören.

Von Jörg Worat