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Kultur Solist und Orchester stets auf Augenhöhe
Weltgeschehen Kultur Solist und Orchester stets auf Augenhöhe
13:42 24.03.2017
Hannover

Nun muss ja nicht jede Auszeichnung unbedingt auch noch ein Sternchen dran haben – kaum wahrscheinlich, dass viele Besucher ihr Kommen bereut haben. Zumal sie Zeugen einer Deutschen Erstaufführung wurden und zwar einer besonders interessanten: Der schwedische Komponist Tobias Broström, vor kurzem schon im Ring C präsent, hat sein Stück „On Urban Ground“ nach Motiven aus der „Sturm“-Sequenz von Beethovens „Pastorale“-Symphonie geschrieben. Wie der Titel schon sagt, spielt sich bei ihm das Gewitter in der Großstadt ab, wobei auch hier später der Kuckuck ruft, und Broström ist eine schöne Balance gelungen zwischen Vorlage und Eigenbau, alt und neu, perkussiver Wucht und beruhigenden Klangflächen.

Es folgte Robert Schumanns Klavierkonzert in einer eher ungewöhnlichen und sehr reizvollen Interpretation. Wo andere vor allem auf harsche Brüche setzen, loteten Solist Lars Vogt und das Orchester zwar die Kontraste voll aus, blieben aber im Bereich eines großen Ganzen – das Psychogramm eines zerrissenen Genies stand bei ihnen jedenfalls nicht auf der Agenda. Dass Vogt einen sehr leichten Anschlag beherrscht, kam diesem Zugriff entgegen, zumal der Pianist, Professor an der hannoverschen Musikhochschule, mit Ausnahme des etwas gar zu zarten Einstiegs ins Intermezzo nicht zum Verhauchen neigte und kräftige Gegenakzente zu setzen wusste. Zudem bewegten sich Solist und Orchester stets auf Augenhöhe – das war wirklich „auf das feinste verwebt“, wie es einst Uraufführungsinterpretin Clara Schumann formuliert hatte.

Nach der Pause stand die Original-„Pastorale“ auf dem Programm und erwies sich zwar nicht gerade als Enttäuschung, aber doch als vergleichsweise brav. Den typisch süffigen Manze-Sound mit den originellen Phrasierungen, der noch das Schumann-Konzert geprägt hatte, gab es nur sporadisch, vor allem wiederum während des „Sturms“ und teilweise beim „Zusammensein der Landleute“, ansonsten war da zuviel gebremster Schaum im Spiel. So ist es eben: Mit dem Renommee steigen auch die Erwartungen.

Von Jörg Worat