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Kultur Sommerliche Musiktage verwandeln Hitzacker für eine Woche
Weltgeschehen Kultur Sommerliche Musiktage verwandeln Hitzacker für eine Woche
12:12 26.07.2017
Festivalleiter Oliver Wille (oben links) wird unter anderem die Sommerlichen Musiktage eröffnen. Die Klanginstallation von Rebecca Saunders (oben rechts) gehört zu den Besonderheiten. Zu den weiteren Künstlern zählen der Cellist Jean-Guihen Queyras und die Violinistin Yura Lee (unten von links). Quelle: MolinaVisuals / Yura Lee / Francois Séchet / Katrin Schander
Hitzacker

Nach den guten Erfahrungen mit der Klangroute der Festivalakademie 2016 sollen die Akademisten dieses Jahr noch stärker zum sicht- und hörbaren Teil des Festivals werden. Sie werden nicht nur am Freitag in einer Woche eine Akademienacht mit Stargästen gestalten- unter anderem mit Schauspieler Udo Samel – sondern auch diverse Vorkonzerte spielen und bereits am Eröffnungs-tag in Erscheinung treten. Intendant Oliver Wille ist ganz angetan, von dem, was sich bereits im Vorfeld an künstlerischen Ergebnissen abzuzeichnen beginnt: „Unsere dreizehn sorgfältig aus ganz Europa ausgewählten jungen Musiker der Akademie haben sich bereits in Hannover getroffen, um Ideen und Formate auszudenken. Die waren schon sehr kreativ. Sie werden ihre Ideen zu unterschiedlichen Gelegenheiten während des Festivals präsentieren. Den Startschuss bildet der „Auftakt“ um 14 Uhr am Eröffnungstag. Um den Marktplatz herum werden sich die Musiker je nach Wetterlage in oder vor verschiedenen Geschäften positionieren und auf Kommando gemeinsam zu spielen anfangen. Jeder spielt was anderes, es entsteht also ein Chaos. Wer genauer auf das ein oder andere hört oder sich näher an das ein oder andere begibt, der erkennt Solostücke, Kammermusik-werke, Orchestersoli und so weiter. Es ist also ein flexibles klangliches Gebilde. Dann bewegen sich die Musiker konkret aufeinander zu und nähern sich dabei auch musikalisch an, spielen irgendwann nacheinander reihum, bis sie sich schließlich – hoffentlich – im Einklang – in der Mitte am Brunnen treffen. Dann können die „Sommerlichen Musiktage“ beginnen.“

Die erste Hälfte des Festivals ist geprägt von Streichquartettmusik und vom Schwerpunkt rund um die in Hannover lehrende britische Komponistin Rebecca Saunders. Von dieser sind nicht nur eine Reihe von Stücken aus den letzten Jahren zu hören, sondern es gibt auch eine Klanginstallation zu erleben, die in einer ehemaligen katholischen Kirche, der heutigen Kunsthalle Oktogon, aufgebaut wird und 2464 Spieldosen verwendet. Kreiert wurde diese Installation für eine Architekturbiennale in China. Sie wurde danach noch in Hongkong und Seoul realisiert und ist nun nach ihrer Europapremiere bei den Schwetzinger Festspielen in Hitzacker zu erleben. Da kann man nur hoffen, dass die Festivalgemeinde auch wirklich den Weg zum Oktogon finden möge.

Ein weiterer Schwerpunkt des Festivals wird der Liederschwerpunkt sein und die Kooperation mit dem Kissinger Sommer, einem gleichfalls renommierten Festival, das sich nach einem Intendantenwechsel gerade erfolgreich neu sortiert. Diesem Schwerpunkt ist das Abendkonzert am Eröffnungstag und der komplette zweite Samstag gewidmet. An diesem Tag wird es in Hitzacker nicht nur zwei Konzerte mit alten und neuen Liedern geben, sondern vorab auch ein Werkstattgespräch mit beteiligten Künstlern.

Wer sich kurzfristig entscheiden möchte ins nicht so ferne Hitzacker zu reisen, dem sei geraten, sich zumindest bei Veranstaltungen in der kleinen Kirche vorab um Karten zu bemühen.

Von Reinald Hanke