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Kultur Sommerlichen Musiktage: Viel Faszinierendes und gelegentlich ein kleiner Flop
Weltgeschehen Kultur Sommerlichen Musiktage: Viel Faszinierendes und gelegentlich ein kleiner Flop
21:28 01.08.2017
Der französische Cellist Jean-Guihen Queyras hat ein Solorezital mit Stücken von Britten, Bach und Kodaly gespielt. Quelle: Kay-Christian Heine
Hitzacker

Christian Strehk, der Vorsitzende des Trägervereins, brachte das Kunststück fertig, auf unterhaltsame Weise die soziologische Resonanztheorie von Hartmut Rosa in Verbindung zu setzen zum Motto des Festivals „Sommerresidenz“ und zum Ensemble in Residence, dem Ensemble Resonanz. Und ganz nebenbei dankte er noch den diversen Geldgebern für ihre finanzielle Beteiligung am Festival.

Bereits vorher gab es einen gelungenen Open-Air-Auftakt im Zentrum des Ortes, wo aus diversen Fenstern die Musiker der neuen Festivalakademie zunächst jeweils für sich spielten, um sich dann einander musikalisch wie lokal zu nähern und schließlich in einer gemeinsamen Melodie zu münden. Diese bricht mittendrin ab, um im Laufe des Festivals dann fortgeführt zu werden. Dieser Auftakt war also kein beliebiges „Vorab“, sondern hatte eine innere Beziehung zum Festivalprogramm der ganzen Woche. In der Nacht der Festivalakademie am morgigen Freitag wird der Bogen dann zu Ende gezogen.

Im Anbetracht der alles an diesem Eröffnungswochenende überragenden Klanginstallation von Rebecca Saunders, die hier bereits gewürdigt wurde, verwunderte es nicht, dass das „normale“ Musikstück von Saunders im Eröffnungskonzert auch gleichzeitig der Konzerthöhepunkt war. Saunders neues Cellokonzert beeindruckte sowohl in seiner Dichte als auch in seiner Intensität im Ringen um den richtigen Ausdruck. Das Ensemble Resonanz und Cellist Jean-Guihen Queyras erwiesen sich als kongenialer Vermittler dieser Musik. Im Vergleich dazu erschienen die anderen Musikdarbietungen dieses Konzerts von Werken der Komponisten Mozart und Brahms sehr blass. Vor allem aber geriet am Abend darauf die Uraufführung eines Stückes für E-Gitarre und Streichorchester vom finnischen Komponisten Kalle Kalima zu einem Flop. Das Stück schien zwar beim Publikum gar nicht schlecht angekommen zu sein, überzeugte in seiner Substanz aber kaum. Es wirkte wie eine nicht zu Ende gebrachte klingende Versuchsanordnung mit Anlehnungen an Hendrix und Zappa. Aus der Spannung zwischen den Spielmöglichkeiten der so unterschiedlichen Instrumente erwuchs aber weniger etwas Neues als eine sich modern gebährdende, ohrschmerzende Langeweile.

Ganz anders hingegen die Wiedergabe der „Goldberg-Variationen“ von Bach in einer Fassung für Streichorchester: Ungemein differenziert, ausdrucksintensiv und virtuos spielte das Ensemble Resonanz diese Musik. Da stimmte alles. Insgesamt ein fulminanter Beginn des Festivals.

Von Reinald Hanke