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Kultur Spiele mit der Realität und dem Imaginären in der Kestnergesellschaft Hannover
Weltgeschehen Kultur Spiele mit der Realität und dem Imaginären in der Kestnergesellschaft Hannover
15:18 29.07.2014
Ausstellung "Andreas Gursky | Neo Rauch | Jeff Wall" in der Kestnergesellschaft Neo Rauch Nachhut, 2010 Bronze, schwarz patiniert 51 x 27 x 41 cm Quelle: Susanne Harbott
Hannover

„Hey, Jungs“, sagte Veit Görner schon im Jahre 2003, „ich bin jetzt in Hannover“, denn er wollte unbedingt, dass alle drei Künstler, Andreas Gursky, Neo Rauch und Jeff Wall eine gemeinsame große Werkschau machen. Doch der Direktor der Kestnergesellschaft musste sich gedulden bis jetzt, am Ende seiner Amtszeit.

Diese „Großen Drei“ zeigen nun, was sie gemeinsam – mit interessanten Querverbindungen – künstlerisch und ideenreich umgesetzt haben. So bemühten sich Andreas Gursky und Jeff Wall die vorgeführte Realität zu manipulieren, schließlich ist ihr Handwerk die Fotografie und bei diesem Medium gibt es bekannterweise keine Grenzen mehr. Ganz anders, merkwürdig fremd kommt das Grafische und Plastische von Neo Rauch daher. Es lässt sich so recht nicht einordnen.

Doch jetzt erst einmal zu den Schöpfungen des Fotokünstlers Andreas Gursky (*1955): Da steht man vor zwei großformatigen Innenaufnahmen des Lehmbruck Museums in Duisburg, dessen modernistischen Raum der Künstler äußerst aufwendig, mit digitaler Fotomontage, zu einer fiktiven Ausstellung manipuliert hat.

Statt der Skulpturen Lehmbrucks erblickt man in einem Dia-Leuchtkasten von Jeff Wall den Hai von Damien Hirst, und mit Neo Rauchs Kentauren, und der Bronzeskulptur „Die Jägerin“ (2011). Im Grunde eine Frage an das zentrale Thema bildnerischer Auseinandersetzung mit dem Figurativen. Und ferner auch Gurskys Superman, Heldenbilder der Pop-Kultur, komponiert mit Gebäuden und Landschaften – alles auch in einem transparenten surrealistischen Outfit.

Jeff Wall (*1946) holt das Imaginäre in die Fotowirklichkeit zurück. Eine Polemik gegenüber dem Medium ist ihm fremd, ihn interessiert die ikonische Qualität, die vornehmlich mit der Handschrift der Malerei verbunden ist. Man muss sich bei Jeff Wall, der Kunstgeschichte studiert hat, nicht wundern, woher er die Anregung zu seinen ausgeklügelten Bildszenarien erhalten hat. Der Künstler führt seine Auseinandersetzung mit dem Realismus fort, verstärkt durch das Spannungsverhältnis kinematografischer Inszenierung mit dem scheinbar Dokumentarischen („near-documentary“). Seine Aufnahmen weisen auf das Unspektakuläre und auf Menschen, die banalen Tätigkeiten nachgehen.

Von Neo Rauch sehen wir Zeichnungen aus einer umfangreichen Mappe, spontan angelegte Blätter, flüchtige Zeugnisse von Paaren oder Figurengruppen, unbeholfene Helden auch, komische Kollisionen, Kompositionen, die nach dem Prinzip der großen Gemälde angelegt wurden. Und seine Skulpturen? Eine überlebensgroße, korpulente „Jägerin“ mit Männerporträts auf dem Busen, mit einer Eule auf der Schulter, und die zweite Figur, ein etwas verwirrt dreinschauender Kentaur, zwei Benzinkanister tragend. Und? Nun, beide haben letztlich eine Bleibe erhalten: in Andreas Gurskys „Lehmbruck Museum“, in Jeff Walls Leuchtkasten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober in der Kestnergesellschaft Hannover geöffnet.

Von Klaus Zimmer