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Kultur Spießer, Snobs und Supertypen
Weltgeschehen Kultur Spießer, Snobs und Supertypen
18:45 22.09.2013
Soltau

Unterschiedlich motivierte Männerfreundschaften und „Supertypen“ standen im Mittelpunkt einer literarischen Collage, die am Freitag im Rahmen des derzeit unter dem Thema „Freundschaft“ stattfindenden Literaturfestes Niedersachsen der VGH-Stiftung im Soltauer Autohaus Winkelmann stattfand. Die Vorlagen dazu, die von den Schauspielern Frank Arnold und Hannes Hellmann hörbuchmäßig in Szene gesetzt wurden, lieferten Buchauszüge und Kurzgeschichten unter anderem von Elke Heidenreich, Stephen King und Max Frisch.

In Evelyn Waughs „Erinnerungen an Brideshead“ etwa musste der Protagonist bei der Rückkehr an einen herrschaftlichen Landsitz, auf dem er zwanzig Jahre zuvor lebte und liebte, feststellen, dass die Welt seiner Träume unwiederbringlich verloren war. Weniger tragisch gestaltete sich Julian Barnes’ Rückblick auf die gegensätzliche Entwicklung zweier Freunde in den frühen 60er-Jahren. Einer von ihnen entfloh zwar schließlich der miefigen Enge seines fiktiven Heimatortes „Metroland“, kehrte jedoch nur zehn Jahre später zurück, um genau dort jenes bürgerliche Leben zu führen, das ihm einst so unwürdig erschien. Das geschilderte Wiedersehen der beiden im Spießermilieu der 70er-Jahre wurde für das Publikum zu einem anregend-vergnüglichen „Aha“-Erlebnis.

In seiner autobiografischen Geschichte „Ziemlich beste Freunde“ wiederum beschreibt der querschnittsgelähmte Millionär Philippe Pozzo di Borgo humorvoll die fröhliche Freundschaft zwischen ihm und seinem „muffeligen kleinkriminellen“ Pfleger, der mit seiner lebensfrohen und mitleidlosen Art di Borgos Tragik ihre Schwere nimmt. Spannend hingegen wurde es bei Stephen Kings „Jahreszeiten“-Novelle: Vier Jungen mit sozialen Problemen suchen immer wieder Zuflucht in ihrem selbst gebauten Baumhaus, wo sie Comics lesen, Schmuddelhefte durchblättern und mit Kraftausdrücken um sich werfen. Doch wenn jemand die Familie eines anderen beleidigt, kennen auch die besten Freunde kein Pardon.

Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl