Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Sprechblasen und ins Herz zielende Arbeiten
Weltgeschehen Kultur Sprechblasen und ins Herz zielende Arbeiten
12:40 15.12.2016
Werke von Rochelle Feinstein wie ihr „Love Your Work“aus dem Jahr 1999 sind in der Kestnergesellschaft zu sehen. Quelle: Candice Madey
Hannover

Die Arbeiten der New Yorkerin Rochelle Feinstein, Jahrgang 1947, zeichnen sich durch besondere Vielseitigkeit aus. Die besagten Sprechblasen enthalten die Worte „Love Your Work“, eine gern gebrauchte Floskel, die bei allem vordergründigen Lob tatsächlich nicht selten lediglich komplettes Desinteresse vertuschen soll. Was Feinstein von einer derartig fragwürdigen Äußerung hält, wird deutlich, wenn sie die Formulierung gekürzt, gespiegelt oder sonstwie verfremdet wiedergibt.

Ein Film zeigt den leeren Himmel, und zwar an der Stelle, wo einst die Twin Towers gestanden haben, die Feinstein von ihrem Atelier aus hatte sehen können. Aufgenommen wurde die Sequenz minutengenau zur Tageszeit der Anschläge. Sie geht über in die Ablichtung einer Spielzeug-Schildkröte bei der Tour durchs Atelier, eine eigenwillige Aneignung der Geschichte von „Lonesome George“. Diese Galápagos-Riesenschildkröte wurde bekannt, weil sie wahrscheinlich das letzte Exemplar ihrer Gattung darstellte.

Dann gibt es eine Reihe von Bildern, die im Laufe einer sehr speziellen Kopieraktion entstanden sind. Durch einen Freund hatte Feinstein von einem chinesischen Maler erfahren, der sich auf das sorgsame Kopieren von Gemälden spezialisiert hat, und erteilte diesem einen entsprechenden Auftrag für eine eigene Arbeit. Die wurde indes nur auf elektronischem Weg übermittelt und konnte somit gar nicht exakt wiedergegeben werden. Das hat zwar durchaus Witz, strahlt aber, wie manch anderes in dieser Schau, keine rechte Sinnlichkeit aus, schon gar keine unmittelbare – um die Werke zu verstehen, muss man vorab oft erst einmal eine ganze Menge lesen.

Direkter ins Herz zielen die Arbeiten des Londoners James Richards. Und in die Ohren: Die Soundinstallation „Crumb Mahogany” mit sechs ringförmig angeordneten Lautsprechern, aus denen die unterschiedlichsten Klänge vom Geräusch bis zum Musikfetzen dringen, ist punktuell brachial laut. Eine zweite Arbeit namens „Crossing“ ist in Zusammenarbeit mit der deutlich älteren US-amerikanischen Avantgardefilmerin Leslie Thornton entstanden. Sie entwickelt vor allem in manchen kaleidoskopartigen Sequenzen einen gewissen Sog. Nicht aber so etwas wie eine ästhetisch nachvollziehbare Logik – dafür wirkt die Abfolge der Bilder dann doch zu beliebig.

Von Jörg Worat