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Kultur Sprengel Museum Hannover eröffnet Ausstellung „Grafik Ost“
Weltgeschehen Kultur Sprengel Museum Hannover eröffnet Ausstellung „Grafik Ost“
10:55 08.09.2017
Im Sprengel Museum Hannover wurde die Ausstellung „Grafik Ost“mit Dagmar Ranft-Schinkes „Verwunschene Insel II“, Uwe Pfeifers Porträt „Papierkorb“ (oben links) und Lutz Dammbecks Plakat zum fünfjährigen Bestehen der Künstlergruppe Clara Mosch (unten links) eröffnet. Quelle: Herling/Gwose/Werner, Sprengel Museum Hannover (3)
Hannover

Gezeigt werden, fast durchweg zum ersten Mal, rund 100 Arbeiten aus der Zeit der DDR; sie sind Teil der Sammlung von Georg Girardet, einst Leipziger Bürgermeister und von 1980 bis 1985 Kulturreferent an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin.

Vertreten sind ganz große Namen und weniger geläufige, was allerdings nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Qualität der Werke zulässt, die überwiegend aus den 70er und 80er Jahren stammen. Die Radierungen von Horst Hussel erinnern an den frühen Paul Klee, bei Otto Niemeyer-Holsteins Darstellung von Landschaft und Sonne mag der Betrachter schon mal an Max Ernst denken. Robert Rehfeldt brachte gern Typographie ein, Aussagen wie „Kunst kommt von Kunst“ kann man dabei durchaus subversiv verstehen.

Das trifft auch auf die Fluchtthematik in Wolfgang Mat-theuers surreal angehauchtem Linolschnitt „Prometheus verlässt das Theater“ zu, womit einer der prominenteren Künstler genannt wäre. Diesbezüglich getoppt wird das noch durch A.R. Penck, von dem gewohnt kraftvolle Werke zu sehen sind. Interessant auch die Kopf-Lithographien aus den 60er Jahren von Achim Freyer, der später im Westen vor allem als Regisseur und Bühnenbildner Furore machen sollte.

Die inhaltlichen Stärken der „DDR-Kunst“ sind oft kontrovers diskutiert worden, die handwerklichen Qualitäten stehen außer Frage. Werner Tübke beispielsweise, eine zentrale Figur der so genannten „Leipziger Schule“, konnte problemlos mit den alten Meistern mithalten, wie mehrere Kreidelithographien in dieser Ausstellung beweisen, unter anderem eine Kreuzigungsszene. Auch Willi Sitte, wegen seiner ausgeprägten Flirts mit dem „Sozialistischen Realismus“ alles andere als unumstritten, hatte in dieser Beziehung eine Menge zu bieten. Zu nennen ist ferner der bereits eher in Richtung Abstraktion driftende Dresd-ner Max Uhlig mit seinen typischen nervösen Strichbündelungen.

Schließlich fallen ein paar Beispiele für frühe Computergraphik ins Auge, die zwar aus heutiger Sicht nicht sonderlich raffiniert wirken und vielleicht vor allem in kunsthistorischen Zusammenhängen von Bedeutung sind – aber auch das ist ja durchaus interessant.

Überhaupt bietet diese Ausstellung einen umfassenden Querschnitt durch einen Bereich, der zu Unrecht oft etwas stiefmütterlich behandelt wird, und man kann sie auf vielen Ebenen betrachten.

Von Jörg Worat