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Kultur Sprengel-Museum in Hannover eröffnet nach Umbau neue Ausstellung
Weltgeschehen Kultur Sprengel-Museum in Hannover eröffnet nach Umbau neue Ausstellung
17:06 07.06.2016
Die Film-Installation „Manifesto“, in der Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett zu sehen ist, und „Singende Mann“ des deutschen Künstlers Ernst Barlach gehören zu den rund 800 Werken der Ausstellung „130 Prozent Sprengel. Sammlung Pur“. Quelle: Holger Hollemann (2)
Hannover

Der Titel verweist darauf, dass durch den im vergangenen Jahr eingeweihten Anbau rund 30 Prozent Ausstellungsfläche dazugekommen sind – insgesamt können nun gut 8000 Quadratmeter genutzt werden, auf denen sich in der aktuellen Superschau rund 800 Exponate verteilen, durchweg Stücke aus der eigenen Sammlung, darunter einige Neuerwerbungen.

Die Klassische Moderne, vordem in verschachtelten Räumen des Untergeschosses platziert, ist jetzt im großzügigen Neubau mit seiner computergesteuerten Lichtanlage gelandet. Die Zeitreise beginnt beim Aufbruch der Avantgarden, die unterschiedlichen Strömungen der 20er Jahre manifestieren sich etwa im direkten Aufeinanderprallen von Neuer Sachlichkeit und Surrealismus, es gibt einen intern „Raum der Giganten“ genannten Saal mit Werken von Picasso, Beckmann und Klee. Am Ende des Rundgangs wird die NS-Zeit sowohl mit als „entartet“ gebrandmarkten Arbeiten repräsentiert als auch mit solchen, die politisch genehm waren, dies allerdings nur in kleiner Auswahl.

Die dunklen Beton-Außenwände des Neubaus sind nicht bei allen Hannoveranern auf Gegenliebe gestoßen. Wenn beim Besuchertag zur Wiedereröffnung keine Klagen zu hören waren, könnte das damit zu tun haben, dass die Innenwände farbig gestaltet wurden. Im Einzelfall hat man das Risiko nicht gescheut: Gerade die expressionistischen Räume der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“ mit kräftigen Akzenten in Gelb und Rot zu untermalen, führt schon zu einem sehr wuchtigen Eindruck.

Wer den Weg durch die Hallen der Wechselausstellung wählt, sieht sich alsbald mit der wohl aufsehenerregendsten Neuerwerbung konfrontiert: In Julian Rosefeldts gigantischer Filminstallation „Manifesto“ trägt Starschauspielerin Cate Blanchett Künstlermanifeste vom Futurismus über Dada bis zum Surrealismus vor, mal als Puppenspielerin, mal als Punkgöre, mal als Obdachloser. Die andere Tour führt durch die obere Sammlung, die der Kunst nach 1945 gewidmet ist. Das war vorher nicht anders, allerdings gibt es eine frische Gliederung, und auch hier sind neue Schätze zu entdecken, etwa das angenehm rätselhafte „Institute“ von Louise Bourgeois.

Die unteren Räume kommen teilweise schon rein äußerlich erheblich verändert daher. Die Durchgänge erweitert, der Teppichboden entfernt – schon wirkt die Sache großzügiger. Zu den neuen Schwerpunkten gehört hier der „Kosmos Schwitters“, der umfassend Hannovers Merz-Künstler und verwandte Seelen aus Bereichen wie der Collage, der organischen Abstraktion und der Materialkunst präsentiert, zudem eine Weltpremiere in Form eines Schwitters-Stummfilms zu bieten hat. Ein anderer Flügel widmet sich in sieben Räumen einer traditionellen Spezialität des Hauses, der Fotokunst.

Schließlich kommen auch die Graphik-Räume aufgemöbelt daher. Die aktuelle Ausstellung „Geburt der Moderne“ zeigt Arbeiten auf Papier aus den Jahren um 1910, und neben bekannten Künstlern wie Nolde oder Kollwitz gibt es Exoten wie den frühen Abstrakten František Kupka.

Von Jörg Worat