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Kultur Staatsschauspiel Hannover: Vorweihnachtliches Familienstück erreicht neue Qualität
Weltgeschehen Kultur Staatsschauspiel Hannover: Vorweihnachtliches Familienstück erreicht neue Qualität
11:43 13.11.2017
„In 80 Tagen um die Welt“ nach Jules Verne ist für Kinder ab sechs Jahren ebenso bestens geeignet wie für Erwachsene. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Regisseur Tilo Nest hat zusammen mit Hanno Friedrich eine äußerst turbulente Fassung der Geschichte um Phileas Fogg entworfen, jenen sehr britischen Gentleman, der aufgrund einer Wette den Erdball binnen der besagten 80 Tage umrunden muss. Die Ideen von Robert Schweer und Anne Buffetrille, zuständig für Bühne beziehungsweise Kostüme, grenzen dabei manchmal an Zauberkunst: Ob Meeresboden, Weltraum oder Elefantenritt, ob Indien, China oder der Wilde Westen – in Sekundenschnelle wandeln sich die Szenerien und wirken doch immer überzeugend.

Auch die Schauspielerriege, durchweg aus dem hauseigenen Ensemble, ist vom Feinsten. Silvester von Hösslin gibt punktgenau den arg versnobten Phileas, Andreas Schlager ist als überdrehter Diener Jean Passepartout der passende Gegenpart. Carolin Haupt übernimmt die weibliche Hauptrolle: Aouda wird ganz nach dem Klischee zunächst von den Helden aus Todesgefahr gerettet, erweist sich aber im Folgenden als Frau, die sämtliche Sprachen spricht, überhaupt alles weiß und alles kann. Christoph Müller findet sich als Agent James Fix, der Phileas Fogg für einen gesuchten Bankräuber hält, in den aberwitzigsten Verkleidungen wieder, vom Tintenfisch über den Kaktus bis hin zum Stern am Firmament.

Zwei der wandlungsfähigsten Ensemblemitglieder haben schließlich Mehrfachrollen. Rainer Frank, unter anderem als Sumo-Ringer und verrückter Erfinder unterwegs, ist schon gut, Susana Fernandes Genebra aber ist hinreißend. Sie spielt sämtliche Schiffskapitäne, die seltsamerweise durchgehend mit starkem Hamburger Dialekt labern, oft ziemlichen Stuss. Auch die stets gereimten Reden der Indianerin Teetonka driften schon mal in sinnentleerte Gefilde. Kurz: Die Darstellerin ist prädestiniert für herrlichen Unfug.

Mit Matthias Trippner und Philipp Wiechert sind zudem fähige Live-Musiker am Start. Nein, Leerlauf gibt es hier kaum – es sei allerdings darauf hingewiesen, dass gut 90 pausenlose Minuten angesichts der durchschnittlichen Aufmerksamkeitsspanne von Kindern doch eine ganze Menge sind.

Von Jörg Worat