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Kultur Starkes Stück bis ins Detail gelungen
Weltgeschehen Kultur Starkes Stück bis ins Detail gelungen
13:38 07.06.2018
Hannover

Ganz im Gegenteil: Der Komponist wollte sich immer von den unmelodiösen Tönen seiner Zeitgenossen abgrenzen. Poulenc hat dazu eine sangliche Musiksprache entwickelt, die klangfarblich nahe an Debussy ist. Poulenc arbeitet aber auch mit Mitteln der deutschen Musiktradition und verbindet beide künstlerische Stränge miteinander. Vor allem ist Poulencs Musik so schlackenlos wie klangsinnlich und immer wieder hochdramatisch. Mit Kitsch hat diese Musik nur etwas zu tun, wenn Dirigenten das aus ihr machen.

In Hannover war dies nicht der Fall. Das durchweg gut disponierte Orchester unter Valterri Rauhalammi spielte zwar manchmal in den hohen Bläsern etwas unkonzentriert, aber der Dirigent arbeitete die Klangraffinesse des Stückes genauso heraus wie ihre Dramatik. Bis auf wenige Momente gelang es Rauhalammi die Motivik in ihrer dichten Verknüpfung so transparent aufzudröseln, dass man den inneren Zusammenhang der Musik wahrnehmen konnte. Der weite Bogen dieser Musik wurde fast durchgehend gewahrt. Die auffallend gelungene, allerdings manchmal zu laute musikalische Darbietung wäre verpufft, wenn die Sänger nicht auf mindestens gleichem Niveau mitgezogen hätte. Dorothea Maria Marx – musikalisch wie szenische eine Idealbesetzung für die Rolle der Blanche – und Renate Behle als alte Priorin, aber auch Anja Vegry und Monika Walerowicz brachten beeindruckende Rollenporträts auf die Bühne. Diese wirkten nicht nur deshalb so stark, weil sie hervorragend gesungen haben, sondern auch, weil ihnen die Regie Dietich Hilsdorfs die Möglichkeit gegeben hat, ihre Rollen szenisch individuell bis ins Detail auszuformen. Hilsdorf gelang das Kunststück, dieses dem ersten Schein nach vorrangig von einem Kollektiv handelnde Stück so zu realisieren, dass lauter Individuen auf der Bühne zu erleben waren. Figuren zumeist, die ihre psychische Schäden zu tragen haben und unter diesen leiden aber damit umgehen müssen. Deshalb hat es sie alle ins Kloster verschlagen, wo sie nun im Kollektiv von den politischen Entwicklungen bedroht werden. Diese ist aber letztlich zweitrangig, denn viel wichtiger ist das individuelle Leiden jeder einzelnen Nonne. Genau das wird in dieser Aufführung vermittelt.

Von Reinald Hanke

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