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Kultur Stehende Ovationen für Kunstliedreise in Müden
Weltgeschehen Kultur Stehende Ovationen für Kunstliedreise in Müden
15:25 21.01.2014
Nico Müller - begeisterte das - Publikum in der - Müdener St.Laurentius-Kirche. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Müden (Aller)

MÜDEN. Als der Sänger Nico Müller im Jahr 2007 erstmals in der Müdener St.Laurentius-Kirche gastierte, studierte er noch in Dresden und Weimar. Zwei Jahre später bestand er in Köln sein Konzertexamen. Am Sonnabend war er erneut in Müden zu Gast. „Ich habe oft an diese schöne Kirche zurückgedacht und mir immer gewünscht, hier wieder einmal ein Konzert zu geben“, verriet er gänzlich allürenfrei. Inzwischen ist der Bariton ein gefragter Opern- und Konzertsänger, der auch schon mit Barbra Streisand und José Carreras gemeinsam aufgetreten ist.

Für das Konzert in Müden hatte er sich unter dem Titel „Elbflorenz“ eine Liedreise zusammengestellt, auf der er die Zuhörer zunächst elbaufwärts von Hamburg nach Dresden und von dort weiter nach Italien führte. Eine Reise, auf der das Publikum Komponisten wie Brahms, Wagner, Mahler und Verdi und ihren Liedern begegnete. Dabei wurde Müller von dem Pianisten Michael Schütze begleitet, Professor an der Dresdner Musikhochschule und regelmäßiger Gastdozent in den USA – und vertrauter musikalischer Partner von Müller. Sein Spezialgebiet: Liedgestaltung.

Von Lied zu Lied wurde deutlicher, was für ein kongeniales Duo da im Altarraum musizierte. Hier der Sänger, der vom zartesten Piano bis zum energischen Forte den Gefühlsgehalt der Lieder vital nach außen kehrte, dort der Pianist, ein versonnener Denker, dessen weiche Arpeggien die in sich versunkenen Nachspiele quasi zu einem letzten Nachsinnen über den jeweiligen Liedtext werden ließen. Es war einfach schön, wie das Duo das gemeinsame musikalische Gespür für die Lieder inszenierte. Wie es sowohl auf lyrischem als auch auf eher dramatischem Feld zusammenwirkte. Etwa wenn Müller seinen noblen Bariton mit der leicht tenoralen Färbung im wunderbarsten Legato zu den Spitzentönen gleiten und Schütze die Stimmungen nachklingen ließ. Selten wurde einem so deutlich bewusst, warum das Kunstlied als das intimste Fach im Gesang gilt.

Müller vermochte mit seiner beseelten Stimme sicher die Atmosphäre der jeweiligen Musik zu treffen, jede dynamische und seelische Schwebung zu erfassen. Etwa bei der beklemmend eindrücklichen Darstellung von Mahlers „Fahrendem Gesellen“, der seine Liebste verloren hat und nun in die Welt hinauszieht. Da taumelte seine Stimme im emotionalen Gänsehautbereich zwischen geflüstertem Schreien und emotionaler Explosion. Voll von zehrender Leidenschaft und bittersüßem Schmerz. Und auf der anderen Seite Hugo Wolfs „Italienische Lieder“. Wie Müller durch die unterschiedlichen Farben seiner Stimme hindurch mit den Worten und Sätzen spielte, wie er immer wieder mit neuen Klangnuancen aufwartete, das war große Kunst. Mit stehenden Ovationen brachte das Publikum am Ende seine Begeisterung zum Ausdruck.

Von Rolf-Dieter Diehl