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Kultur Stehende Ovationen für „Time Takes The Time Time Takes“
Weltgeschehen Kultur Stehende Ovationen für „Time Takes The Time Time Takes“
16:18 05.09.2017
Ausgefeilte Hebe-, Schwung- und Sprungfiguren erforderten die uneingeschränkte Konzentration auf der Bühne. Quelle: Alfred Mauve
Hannover

Schon verständlich. Das Quintett, in dem die Choreographen höchstselbst mittanzten, erzeugte eine stetig fließende Dynamik, in der auch das Verharren seinen Platz fand. Wie die Zeit eben so ist, um die sich hier alles dreht – in dieser Performance wird erst gar nicht versucht, eine Geschichte zu erzählen.

Es hatte etwas Faszinierendes, wie die zwei Damen und drei Herren da ihre ausgefeilten Hebe-, Schwung- und Sprungfiguren zelebrierten, die uneingeschränkte Konzentration und Präzision erforderten. Manche Passage würde auch in eine Akrobatik-Show passen, und ganz vereinzelt driftete die Sache dann doch ein wenig in kunstgewerbliche Gefilde, entstand der Eindruck, es würden Fähigkeiten nurmehr vorgeführt. Extravagante Fähigkeiten zweifellos, zumal dieser Tanz, der furchtbar anstrengend sein muss, jederzeit ganz leicht von der Bühne kam.

Die Soundkulisse besorgte Javier Mora live mit Perkussion und Elektronik. Das war vom Timing her sauber gespielt und prinzipiell sorgsam integriert, wenn etwa auch das Becken im Lichtkegel zu schwingen begann, wurde manchmal aber derart dröhnend, dass die spezielle Eleganz der Bewegungen darunter litt – da wäre etwas mehr Feinabstimmung hilfreich gewesen. Unnötige Lautstärke erweist sich, warum auch immer, im heutigen Tanztheater ohnehin öfters als Hemmschuh.

Dafür stimmten die Spannungsbögen der Choreographie fast durchgehend, bis hin zu dem Punkt, dass sie ein wenig früher endete als angekündigt: Ein schöneres Schlussbild als das lebende Rad, das die Truppe da bildete, wäre kaum denkbar gewesen – wie ein menschliches Perpetuum mobile, das, wer weiß, in der Dunkelheit womöglich immer noch weitertanzt.

Von Jörg Worat