Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Kultur Steinhorster Lesesommer startet Programm mit Teespezialist Thommi Baake
Weltgeschehen Kultur Steinhorster Lesesommer startet Programm mit Teespezialist Thommi Baake
18:44 09.07.2018
Für sein informatives Tee-Quiz holte sich Teespezialist Thommi Baake eine Zuschauerin auf die Bühne. Quelle: Doris Hennies
Steinhorst

Schon optisch hat er was zu bieten: Schick gemacht in historischen Knickerbockern und glitzernden Silberschuhen. Und auch das Bühnenbild hat er mitgebracht – das kleine Tee-Museum aus dem Koffer. Zwischen Anekdötchen – tatsächlichen und erfundenen, das ist nicht immer zu unterscheiden – hat der Mime viel Informatives über Tee eingebaut: etwa die Namensgebung Chai – abgeleitet vom Namen eines chinesischen Kaisers? Und eigentlich ist nur das, was von der Tee­pflanze herrührt, auch wirklich Tee zu nennen. Das andere sind Extrakte oder Aufgussgetränke. Mit Extrakten scheint sich Thommi Baake gut auszukennen – er bedient sich – von Chroniken bis Liedgut – von allem, was ihm für die Aufbereitung seines Programms dienlich erscheint – der Mann singt auch, „und das Repertoire von Tee-Liedern ist eng begrenzt“. Macht nichts, dann dichtet er eben um oder textet selbst.

Die fiktionalen Erfindungen, wie die vom Kosmonauten Sputnikow und seiner Freundschaftstasse Tee mit dem britischen Kollegen im All, oder der „Tee-Kunst“ von Aktionskünstler Rötli brachten das Publikum ebenso zum Lachen wie die fantasievollen Geschichten rund um die britische Queen. Ein informatives Tee-Quiz mit einer (nicht ganz) freiwilligen Zuschauerin rundete den Abend ab. Immerhin besitzt die junge Frau, die sich wacker geschlagen hat, jetzt eine neue schöne Tasse für ihre nächste „nice cup of tea“.

Nachgefragt bei Gründungsmitglied Wolfgang Böser

Der „Lesesommer“ im Schulmuseum Steinhorst feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen. Die Entstehungsgeschichte dieser sommerlichen, kulturellen Veranstaltungsreihe hängt intensiv mit der Einrichtung des Schulmuseums in dem idyllischen Dorf am Rande der Landkreise Celle/Gifhorn und der unterstützenden Gründung des „Vereins der Freunde und Förderer des Erich-Weniger-Hauses Steinhorst“ zusammen. Mit dem Gründungsmitglied des Vereins und dem langjährigen ehemaligen Leiter des Schulmuseums, Wolfgang Böser, sprach CZ-Mitarbeiterin Doris Hennies.

Ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Lesesommer, wie hat das begonnen?

Eng zusammengefasst, die Idee zum Schulmuseum entstand aus einer Universitäts-Forschungsarbeit. Die ging um Erich Weniger – ein maßgeblicher Vertreter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik. Die Recherche führte zu seinem Geburtsort Steinhorst, in dem auch eine ehemalige jüdische Landbauschule eingerichtet war. In Zusammenarbeit mit den Universitäten Göttingen und Braunschweig entstand aus dem zusammengetragenen Material die Einrichtung einer Forschungsstelle für Schulgeschichte. Nächste Schritte: ein Museum und ein entsprechender Förderverein zur Unterstützung (1987 gegründet). Unterricht und Kultur passen konsequent zueinander – und man wollte ja auch Gäste und Besucher aufs Land locken. So entstand die Idee des Lesesommers, ein bunt gemixtes Kulturprogramm für Jung und Alt, das 1993 – ein Jahr nach Fertigstellung und Eröffnung des Schulmuseums – an den Start ging.

25 Jahre erfolgreich – wie sieht so ein Konzept aus?

Es ist Stück für Stück gewachsen. Wir verzichten seit jeher auf Eintrittsgelder. So soll sichergestellt sein, dass alle Interessierten die Veranstaltungen besuchen können. Die Kosten des Lesesommers werden zum Teil durch die Spenden in das große Sparschwein am Ausgang gedeckt. Eine finanzielle Basis bringt der alljährliche Benefizabend am Ende des Lesesommers – ein traditioneller Spenderabend, an dem stets besonders großzügige Summen zusammenkommen. All das geht nicht ohne den großen Anteil von Förderern, allen voran die Unterstützung von Landkreis und Gemeinden sowie der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg sowie von zahlreichen Unternehmen und Privatpersonen.

Inzwischen ist der Lesesommer eine echte Institution?

Ja – und nicht nur für die Steinhorster. Wir bekommen Besuch aus zahlreichen Landkreisen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda klappt. Aber nichts ginge ohne die Ambition und Einsatzbereitschaft der vielen Freiwilligen und Ehrenamtlichen aus dem Verein und darum herum, die den Betrieb am Leben erhalten und für diese besondere Atmosphäre von guten Auftritten samt liebevoller Bewirtung sorgen. Das macht das spezielle Ambiente des Lesesommers aus.“

PROGRAMM

Mittwoch, 11. Juli

Autorenlesung: Susanne Mischke – spannende Krimi-Kurzgeschichten

Freitag, 13. Juli

Frühbarocke Musik – gespielt auf höchstem Niveau
vom Ensemble „Il Suono”

Mittwoch, 18. Juli

Literaturlesung: Hermann Wiedenroth – „Simplicissimus“, ein Klassiker

Freitag, 20. Juli

Kinderprogramm: Bilderbuchkino „Der Wolf, der aus dem Buch fiel“

Sonntag, 22. Juli

Großer Bücherflohmarkt
am Schulmuseum

Mittwoch, 25. Juli

Autorenlesung:
Pauline de Bok – Beute
(Betrachtungen über die Jagd)

Freitag, 27. Juli

Kabarett: Inka Meyer –
Der Teufel trägt Parka
(Kritisch, aktuell, einfach gut)

Mittwoch, 1. August

Autorenlesung: Bodo Dringenberg – Furie und Fortuna
(Menschen und Schicksale in Hannover und Umland im Dreißigjährigen Krieg)

Freitag, 3. August

Kinderprogramm: Bilderbuchkino
„Zauberfrei für Hermeline“

Samstag, 4. August

Benefizabend –
Band „Zebra Sommerwind“
mit himmlischen Klängen

Von Doris Hennies

Jedem Anfang, das wusste schon Hermann Hesse, wohnt ein Zauber inne. Mal sehen, wie zauberhaft das Festival „Tanztheater International“ ausfällt, das traditionell die hannoversche Kultursaison einläutet. Die 33. Ausgabe findet vom 30. August bis zum 8. September statt, das Programm wurde jetzt vorgestellt.

04.07.2018

Diesen Titel muss man etwas genauer lesen: „Kleine Geschichte(n) der Fotografie (#1)“ heißt eine neue Ausstellung im Sprengel Museum. Der Plural deutet schon an, dass es hier gerade nicht um einen allgemeingültigen Abriss der Lichtbild-Historie vom 19. Jahrhundert bis heute geht. Und die Nummerierung verweist auf eine geplante Fortführung des Konzepts in weiteren Präsentationen.

26.06.2018

An einer Wand hängen abstrakte Neonfiguren, gegenüber sind bedruckte Banner zu sehen, und mittendrin dreht ein hölzerner Ziegenbock mit einer Art Brautschleier auf Schienen lautstark seine Runden. Kein Zweifel: Es passt, dass gerade Theaster Gates den alle zwei Jahre vergebenen und mit 25.000 Euro dotierten Kurt-Schwitters-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung bekommen hat. Denn wie der hannoversche „Merz“-Künstler bedient sich auch der 44-Jährige aus Chicago aller nur denkbaren Medien – zu überprüfen bei seiner gestern eröffneten Ausstellung im Sprengel Museum.

22.06.2018