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Kultur Stellung beziehen in Schau „Geheimnisse“
Weltgeschehen Kultur Stellung beziehen in Schau „Geheimnisse“
12:20 22.11.2017
Die Ausstellung „Geheimnis. Ein gesellschaftliches Phänomen“ in Hannover gibt Denkanstöße. Quelle: Moritz Richter
Hannover

Zumindest innerlich heißt es immer wieder Stellung zu beziehen. Stimmt man etwa an einer Station den Zitaten zu, die Whistleblowing als positiv kennzeichnen, oder hält man es mit eher mit den Gegnern? An anderer Stelle liegt ein Fragebogen zum Ankreuzen aus, dem zu entnehmen ist, ob man sich für eine Tätigkeit als Geheimnisträger eignet. Und wem würde man eigentlich selbst am ehesten ein Geheimnis anvertrauen? Zur Klärung dieser Frage kann man Zettel beschriften und in große Ohr-Plastiken stecken – deren Untertitel decken eine Palette von der Mutter über den Freund bis hin zum Arbeitskollegen ab.

In einem stilisierten Wohnzimmer wiederum mag sich der Besucher niederlassen und auf einem Bildschirm verfolgen, wie es Personen aus unterschiedlichen Berufen mit dem hier behandelten Themenkreis halten – die Schriftstellerin etwa berichtet von der natürlichen Affinität zum Geheimnis, die dieser Profession anhafte, während der katholische Priester Wert auf den Unterschied zwischen den Begriffen „Geheimnisträger“ und „Geheimnisbewahrer“ legt.

Auch an purer Information mangelt es nicht. So wird die Bandbreite der Schriftverschlüsselung vom simplen Buchstabenverschieben bis zur hochkomplexen Quantenkryptographie dargestellt. Ferner gibt es Hinweistafeln und beispielhafte Ausdrucke, die verdeutlichen, wie jeder Bürger Zugriff auf Dokumente und Protokolle des Bundestags bekommen kann. Wer einen kompletten Überblick anstrebt, muss allerdings Geduld aufbringen: Stand 26. Mai 2016 waren 130.702 entsprechende Drucksachen zugänglich.

Interesse an verbalen Codes wird ebenfalls bedient. Eine bestimmte, vermeintlich neutrale Frage des Taxifahrers an die Zentrale kann etwa bedeuten, dass ein Fahrgast problematisch erscheint. Manche vordergründig positive Formulierungen in Arbeitszeugnissen sind bekanntlich versteckte Beanstandungen. Und sollten „drei LKW in die Rettungswache“ beordert werden, steht nicht zwangsläufig der Wunsch dahinter, dass sich Lastkraftwagen an besagtem Ort einfinden mögen – vielleicht gelüstet es die Kollegen auch einfach nur nach Leberkäswecken.

Die von der Münchner Nemetschek Stiftung ausgerichtete Ausstellung bietet viele Denkanstöße, wirkt punktuell allerdings etwas gar zu geheimnisvoll, da die eine oder andere Station doch recht kompliziert angelegt ist. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm vom Vortrag bis zum interaktiven Rätsel-Parcours, auch an Kinder und Jugendliche wurde dabei gedacht. Nähere Informationen unter www.geheimnis-ausstellung.de.

Von Jörg Worat