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Kultur Steter Wechsel von Gemälden und Plastiken im Museum Schloss Herrenhausen
Weltgeschehen Kultur Steter Wechsel von Gemälden und Plastiken im Museum Schloss Herrenhausen
12:18 16.07.2014
Junger Satyr mit Querflöte, - eine hadrianische Kopie nach - verlorenem spätklassischem - Original, entstanden 117 bis 138 - n. Chr., aus Marmor. Quelle: Museum Schloss Herrenhausen
Hannover

Reichsgraf Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn (1736-1811), ein unehelicher Sohn Georgs II., hatte eine bedeutende und überregional gerühmte Kunstsammlung zusammengetragen, die 1818 versteigert und in alle Winde zerstreut wurde. Nun gibt es einen Teil davon wieder an einem Ort zu sehen, an einem passenden zudem, war die Kollektion doch ursprünglich im unweit vom Schloss gelegenen Georgenpalais angesiedelt, dem heutigen Wilhelm-Busch-Museum.

Der sofort ins Auge springende stete Wechsel von Gemälden und Plastiken verdeutlicht sinnfällig, dass es Wallmoden eher auf große Gegenüberstellungen ankam als auf herausragende Einzelwerke. Entsprechend finden sich Antiken und neuzeitliche Arbeiten, heidnische und christliche Motive. Interessant allerdings, dass Wallmoden, immerhin ein Generalmajor, Landschaftsdarstellungen eindeutig den Vorzug gegenüber Schlachtgemälden gab.

Die Ausstellung kann nur einen Bruchteil der einstigen Sammlung wiedergeben. Sie hat gleichwohl mancherlei zu bieten, auch für diejenigen, die etliche Gemälde aus dem hannoverschen Landesmuseum bereits kennen sollten. Großartig detailreich ist etwa Pieter van Noorts „Küchenfrühstück mit Austern wärmender Dame“ aus dem 17. Jahrhundert, ein in der Darstellung der Lebensmittel ungewöhnlich drastisches und durch die besagte Dame erotisch aufgeladenes Stillleben. Viel zu schauen gibt es auch beim „Bauerntanz“ aus dem Rubens-Umfeld – er weist viele Übereinstimmungen mit einem heute im Louvre aufbewahrten Bild auf, das dem Meister persönlich zugeschrieben wird.

Vielleicht noch beeindruckender sind aber einige der Statuen, die sich als Leihgabe des Welfenhauses üblicherweise im Archäologischen Institut der Universität Göttingen befinden. Da gibt es unter anderem höchst individuelle römische Kinderbildnisse und eine wunderbar anmutige „Knöchelspielerin“, die nach neueren Erkenntnissen tatsächlich wohl eher eine Nymphe darstellt und ebenso eine römische Kopie nach hellenistischem Original ist wie das Fragment einer Kampfgruppe, das in seiner verzerrten Asymmetrie gut und gern auch aus der Werkstatt von Rodin stammen könnte.

Schade allerdings, dass die automatische Tür im Ausstellungsraum ein penetrantes Schnarren und Fiepsen von sich gibt – bei Hochbetrieb kann die Konzentration dadurch alle paar Sekunden beeinträchtigt werden. Wer’s aushält: Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. Oktober. Unter www.royals-aus-hannover.de/ausstellungen sind weitere Informationen erhältlich.

Von Jörg Worat