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Kultur Tanzende Anmut in majestätischer Natur
Weltgeschehen Kultur Tanzende Anmut in majestätischer Natur
11:34 15.05.2014
Skulpturen des amerikanischen Künstlers John Angus Chamberlain - sind derzeit im Weltvogelpark Walsrode zu sehen. Quelle: Weltvogelpark Walsrode
Walsrode

Über 4000 Vögel aus 675 Arten in einer 24 Hektar großen Garten- und Kulturlandschaft mit 120 Rhododendronarten und 70 Rosensorten – eine Oase naturnaher Glückseligkeit. Seit kurzem ziehen zudem vier bis zu fünf Meter große Skulpturen des amerikanischen Künstlers John Angus Chamberlain (1927-2011) die Blicke auf sich. „Art und Nature“ lautet der Titel der viermonatigen Ausstellung des bedeutsamen Vertreters zeitgenössischer Kunst, der als Wegbereiter der Pop Art gilt.

Man stelle sich eine große saftig frische Wiese vor, umsäumt von bunten Blüten und dazwischen metallisch glitzernde Riesen. Wirksam. Spannend. Gehalten von innerer Spannung, Verschlingungen. Rund 1000 Kilo schwer und doch optische Ereignisse spielerischer Leichtigkeit. Gleichsam einem Baum oder einer Tänzerin im Wind gebiert sich die bronzefarbige Skulptur „Naughtynightcap“. Wie eine verknotete Schlange, eine grüne Mamba oder ein Ring behauptet „Burntpiano“ sich auf seinem Platz. Wie in sich verschraubte Nägel, gewichtige Gigantomanen, entfesseln die Skulpturen „Mermaidmischief“ und „Wishingwellwink“ ein breites Spektrum an Assoziationen. „Jeder will immer wissen, was es bedeutet“, soll Chamberlain einst gesagt haben. „Selbst wenn ich es wüsste: Ich wüsste nur, was ich denke, dass es bedeutet.“ Vielleicht ist das auch das Geheimnis der harmonischen Gleichzeitigkeit von Kunst und Natur: die Freiheit, einfach zu sein. Das Staunen vor der Form, der Erscheinung, der Vielseitigkeit und Wirkungsmacht stellt sich von alleine ein. Wichtig ist der Blickwinkel.

In den 50er Jahren hatte Chamberlain seine Liebe zu Metall und Autoschrott entdeckt. Für die damalige Kunst ungewöhnlich arbeitete er mit Metallpresse und Schweißbrenner und schuf neue Impulse der Leichtigkeit wie jene Riesen natürlicher Anmut, fließender Form und bezaubernder Farben im Vogelpark, die bereits prominente Orte wie das Rijksmuseum in Amsterdam, den botanischen Garten in Miami, die Park-Avenue und das Guggenheim Museum in New York betörten.

Bis 31. August in Walsrode, Am Vogelpark. Infos über www.weltvogelpark.de

Von Aneka Schult