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Kultur The Percussive Planet Ensemble mit Schlagzeugstar Martin Grubinger in Hannover
Weltgeschehen Kultur The Percussive Planet Ensemble mit Schlagzeugstar Martin Grubinger in Hannover
16:08 22.06.2017
Hannover

Das gesprochene Wort ist Grubingers Sache nicht, seine Ansagen wirken immer etwas unbedarft. Was womöglich geerbt ist, wenn man das Konzept des ebenfalls schlagwerkenden Vaters Martin Grubinger senior betrachtet, der das Programm des Abends entwickelt hat und auch dirigiert. Eine Jahrhundertgeschichte der Perkussion ist die 150-minütige Non-Stop-Show bei genauer Betrachtung jedenfalls eher nicht; die Zusammenstellung dieser vierteiligen Suite, deren einzelne Abschnitte so plakative Titel wie „Archaic Rituals“ oder „Pump up the Rhythm“ tragen, scheint überwiegend anderen Gesetzen zu gehorchen.

Der Zusammenhang zwischen einem Zitat aus Strawinskys „Sacre“, einem aztekischen Tanz mit vokaler Begleitung, einer dahingefetzten Version von „Peter Gunn“, afrikanischen Stammesgesängen, Steve-Reich-Minimalismus und Iannis Xenakis – dies sind nur einige Beispiele – erschließt sich letztlich kaum. Und das vorherrschende dramaturgische Konzept ist offenbar, dass nach einer besonders turbulenten Passage eine ruhige zu folgen hat. Manche Effekte sind nicht mehr als ebensolche: Ein Grubinger-Solo besteht aus einem immer schneller angeschlagenen Trommelwirbel: handwerklich gewiss beeindruckend, aber letztlich ohne musikalische Substanz – als würde eine Choreographie daraus bestehen, dass ein Tänzer eine Pirouette nach der anderen dreht.

Natürlich ist der Abend nicht schlecht, zumal Grubinger so hervorragende Trommelkollegen wie Rainer Furthner oder den Bulgaren Alexander Georgiev an seiner Seite hat und die Bläsergruppe ihr Handwerk versteht. Und natürlich macht es Spaß, von all diesen Könnern auch exotische Instrumente wie den flitzebogenförmigen Berimbau oder die Sitztrommel Cajón vorgeführt zu bekommen – wenn man nicht so oft den Eindruck hätte, dass es sich just um eine Vorführung handelt.

Martin Grubinger ist Weltklasse – seine Selbstdarstellung ist es nur bedingt.

Von Jörg Worat