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Kultur Theater mit Konfliktpotenzial bei Festival in Hannover
Weltgeschehen Kultur Theater mit Konfliktpotenzial bei Festival in Hannover
12:42 13.06.2017
Ein Thema beim „Oratorium“ waren Besitzverhältnisse. Dabei wurden auch die Zuschauer - zum Mitmachen animiert. Zum Teil wurden ihnen etwas zu viel Raum gegeben. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Beim „Oratorium“ wurden im Vorfeld acht „lokale Delegierte“ angeworben, Laiendarsteller, die Textblöcke, teils durchaus anspruchsvoller Natur, zu sprechen hatten. Auch das Publikum war zum Mitmachen angehalten, wenngleich auf freiwilliger Basis: Einblendungen forderten bestimmte Besuchergruppen zum Ablesen von allerlei Formulierungen auf. Mal sollten sich die gut situierten Rentner äußern, mal die unzureichend abgesicherten Mütter, mal die reichen Erben.

Denn „Eigentum“ war das große Stichwort des Abends – „She She Pop“ greifen gerne Themen auf, denen ein gewisses Konfliktpotenzial innewohnt. Sich öffentlich in Sachen Besitzverhältnisse zu äußern, erfordert natürlich einigen Mut, vor allem für die „Delegierten“ auf der Bühne: Einer erzählte etwa von seiner unentgeltlichen Arbeit für diverse Kulturprojekte und fehlenden Aussichten, in absehbarer Zeit von den während des Studiums angehäuften 40.000 Euro Schulden herunterzukommen. Worauf die Performer von „She She Pop“ eine Art Verhandlung anberaumten, wie sich die finanziell besser Gestellten gegenüber solchen Fällen verhalten oder verhalten sollten.

Das sind grundsätzliche gesellschaftliche Fragen, die nachdenklich stimmen konnten. Dennoch mangelte es dem Abend nicht an Humor, zumal das Publikum bei den Ableseaktionen voll mitging. Auch den Theaterwissenschaftlern, von denen durchaus einige im Raum waren, wurden Texte zugewiesen, zumeist recht theoretische, und der Rest der Besucher durfte ihnen schon mal ein kräftiges „Schnauze!“ entgegenrufen.

Der Mittelteil der Vorstellung lief allerdings ein wenig aus dem Ruder – wenn man unprofessionellen Akteuren zuviel Raum gibt, driftet die Sache ohne deren Verschulden irgendwann doch in Richtung Schülertheater. Das ist aber deshalb nicht so schlimm, weil dies erklärtermaßen der erste Versuch bei einem „Work in progress“ war. So besteht im Laufe der künftigen Weiterentwicklung die Möglichkeit, an der Dramaturgie zu feilen.

Heute (21 Uhr) steht bei den „Theaterformen“ im Ballhof Zwei das Stück „Tigern“ mit der schwedischen „Josephsson Theatre Company“ auf dem Programm. Es handelt von einem aus dem Zoo entwichenen Tiger und den vielfältigen Reaktionen der besorgten Bürger.

Von Jörg Worat