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Kultur Israel nimmt Abschied von Amos Oz
Weltgeschehen Kultur Israel nimmt Abschied von Amos Oz
16:11 31.12.2018
Abschied von Amos Oz. Foto: Ariel Schalit/AP Quelle: Ariel Schalit
Tel Aviv

Tel Aviv (dpa) - Eine junge Frau mit dunkelbraunem Pferdeschwanz steht vor dem schwarz umhüllten Sarg des Schriftstellers Amos Oz und schluchzt.

Sie ist eine von Hunderten Israelis, die am Montag in das Kulturzentrum Zavta in Tel Aviv gekommen sind, um sich von «ihrem» Amos Oz zu verabschieden. Der weltbekannte Autor war am Freitag im Alter von 79 Jahren an Krebs gestorben.

Oz habe jedem Leser das Gefühl gegeben, «dass er über mich schreibt», sagt Staatspräsident Reuven Rivlin in einer Traueransprache. Dabei habe er einer ganzen Generation eine Stimme verliehen und die komplexe Geschichte Israels weit über seine Grenzen hinaus erzählt. Oz habe auch «die Fähigkeit gehabt, eine Sache ganz tief von innen zu betrachten, aber gleichzeitig auch ein bisschen von außen», so Rivlin, der als Jugendlicher sein Schulkamerad und Nachbar in Jerusalem war.

Es ist kalt und regnerisch in Tel Aviv, trotzdem stehen Hunderte Schlange, um den Sarg zu besuchen. Am Nachmittag wird Oz dann in seinem Kibbuz Chulda beigesetzt, etwa 40 Kilometer südöstlich von Tel Aviv. Seine Witwe Nily spielt an seinem Grab auf einer Blockflöte.

Der 80-jährige Zeev Kolman erzählt bei der Trauerfeier in Tel Aviv, er habe Oz persönlich gekannt. «Er hat mich inspiriert in der Art, wie er sprach. Er war ein Genie und der Dichter einer ganzen Generation», sagt Kolman. Eine Besucherin namens Roni sagt über Oz: «Er ist der Letzte der Giganten.»

Auch eine ältere Dame sagt, für sie sei Oz ein Vertreter des «schönen Israel» gewesen, «die Stimme der Vernunft». Ohne ihn bleibe «eine andere Welt» zurück. Der Autor war Mitbegründer und Galionsfigur der Friedensbewegung in Israel und setzte sich bis zuletzt für eine Versöhnung mit den Palästinensern ein. Auch eine Beileidsbotschaft des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas an die Familie wird bei der Trauerfeier verlesen. Für die 52-jährige Tania hinterlässt Oz eine «Botschaft der Hoffnung».

Die Tochter Fania Oz-Salzberg verabschiedet sich mit gefühlvollen Worten von ihrem Vater, mit dem sie auch gemeinsam geschrieben hat. Sein Glaubensbekenntnis lasse sich in einem Gebot zusammenfassen: «Du sollst nicht wehtun.» Viele hätten seinen Optimismus und sein Streben nach Frieden mit Naivität verwechselt, sagt sie.

Den Optimismus hat Oz sich trotz eines schweren Kindheitstraumas bewahrt. Er kommt 1939 unter dem Namen Amos Klausner in Jerusalem als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine zur Welt. Seine Eltern gehören zur intellektuellen Elite Jerusalems. Die tragische Geschichte seiner depressiven Mutter, die sich das Leben nahm, als er zwölf Jahre alt war, arbeitet Oz in seinem autobiografischen Roman «Eine Geschichte von Liebe und Finsternis» auf.

Mit 15 zieht er in den Kibbuz Chulda und änderte seinen Familiennamen von Klausner zu Oz - für «Stärke» auf Hebräisch. Der Name symbolisiert seinen Willen, auf den Trümmern seines großen Kindheitstraumas ein neues Leben aufzubauen. Erst will er Landwirt werden, doch dann überwiegt die Leidenschaft für das Schreiben.

An der Hebräischen Universität studiert Oz Literatur und Philosophie. Später lehrt er selbst lange Jahre an der Universität Beerscheva im Süden des Landes. Für seine zahlreichen Romane und Erzählungen - in mehr als 40 Sprachen übersetzt - wird Oz mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1992) und der Siegfried-Lenz-Preis (2014).

Die Familie Oz lebt lange in der Wüstenstadt Arad, weil das trockene Klima die Asthmaerkrankung des Sohnes Daniel lindert. Doch seine letzten Jahre verbringt Amos Oz in der Küstenmetropole Tel Aviv.

In seinem Roman «Judas» (2015) beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Verrat. Wegen seiner linksorientierten Ansichten sei Oz selbst immer wieder als «Verräter» gebrandmarkt worden, sagen Rivlin und Tochter Fania. Davon habe er sich nie einschüchtern lassen.

Oz-Salzberger ist überzeugt, dass die Hoffnung auf Frieden auch nach dem Tod ihres Vaters weiterleben wird. «Die Macht der Worte wird nicht sterben», sagt sie. «Vater hat uns Worte hinterlassen, und wir werden noch einige Hoffnungen wahr werden lassen.»

Von dpa Von Sara Lemel

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