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Kultur "Traumgörge" in Hannover: Starke Musik allein ist zu wenig
Weltgeschehen Kultur "Traumgörge" in Hannover: Starke Musik allein ist zu wenig
16:36 18.04.2016
Hannover

Wenn ein Opernhaus wie die Staatsoper Hannover eine Rarität ins Programm nimmt, dann ist das zunächst einmal begrüßenswert, wenn denn die Substanz eines Stückes eine solche Entscheidung gerechtfertigt erscheinen lässt. Im Falle von Alexander Zemlinskys „Der Traumgörge“ ist sehr schnell klar: Ja, diese Musik ist es wert, gespielt zu werden. Ihre Mischung aus spätromantischer Emphase und einer hörbaren Lust an Klangmischungen, auch aus unbedingtem Ausdruckswillen und Ausschmückungsfreude, das alles macht diese Musik zu etwas Eigenem. Natürlich, manchmal kann man sich hier erinnert fühlen an die Instrumentationskunst eines Richard Strauss, aber zugleich klingt diese Musik in ihren wellenhaften Steigerungen wie Musik Richard Wagners.

Und Impressionismus, also französische Klangsinnlichkeit, liegt auch mehr als einmal nahe. Bei allen klanglichen Assoziationen an bekanntere Komponisten hat Zemlinsky aber eine absolut hörenswerte und eigenständige musikalische Sprache entwickelt.

Der erste Kapellmeister in Hannover, Mark Rohde, hat die Fin-de-Siecle-Stilistik Zemlinskys hervorragend herausgearbeitet und sein Orchester ausgesprochen gut vorbereitet. Trotzdem kamen Zweifel am Dirigat auf, denn man hatte oft den Eindruck, dass das Orchester zu laut sei.

Genau genommen aber trifft das den Kern der musikalischen Problematik dieses Abends nicht, denn es waren eher die Sänger zu leise. Und das war das Tragische an diesem orchestral beeindruckenden Abend: Man hat in Hannover das Stück auf den Spielplan gesetzt, obwohl kein passender Sänger für die Titelpartie zur Verfügung stand. Dabei Sänger Robert Künzli keineswegs ein Künstler minderen Rangs, aber seine Stimme ist einfach zu klein und sein technisches Wollen zu offenkundig, als das man das überhören könnte. Robert Künzlis schöner, aber zu leichter Tenor passt nicht zu den Anforderungen dieser Partie. Da braucht es wesentlich mehr Volumen und stimmliche Grundsubstanz. Künzli hält sich bewundernswert, aber letztlich leidet man eher mit ihm, der hier so extrem viel zu singen hat, mit als dass man diesen Gesang genießen könnte.

Und leider sind auch einige der anderen Partien nicht angemessen besetzt. Und teilweise wird schlicht nicht gut genug gesungen. Solen Mainguené als Grete ist da die positive Ausnahme an diesem Abend.

Übrigens: Inhaltlich ist der „Traumgörge“ eine krude Mischung aus Traum, Traumdeutung und Märchen, die niemand nachvollziehen kann und bei der sich auch kaum ein tieferer Sinn erschließt. Die Regie Johannes von Matuschkas bot da auch nichts Weiterbringendes oder Sinnstiftendes. Wie gut, dass die Musik so viel Interessantes fürs Ohr bot. Aber insgesamt war das dann doch etwas wenig für einen Opernabend.

Von Reinald Hanke