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Kultur "Tri Sestre" an ungewöhnlichem Ort in Hannover
Weltgeschehen Kultur "Tri Sestre" an ungewöhnlichem Ort in Hannover
18:53 14.06.2017
Ruppig inszeniert: Tschechows „Drei Schwestern“. Quelle: Moritz Kästner
Hannover

Es hat ja auch seine Reize, wenn die lethargischen jungen Damen gerade in solch halb verfallener Umgebung von ihrer Abfahrt zum Sehnsuchtsort Moskau träumen, wo alles viel besser sein soll. Und dass da ein Darsteller von der schönen Wohnung schwärmt, in der man sich angeblich befindet, entbehrt natürlich nicht einer gewissen Komik.

Doch besteht bei einem derartigen Setting die Gefahr, dass die Spielstätte irgendwann interessanter wird als die Vorstellung – nach der charmanten Auftaktviertelstunde kann das Sextett, das hier das gesamte Figurenarsenal übernimmt, jedenfalls keine rechte Spannung mehr aufbauen. Dann schweift der Besucherblick schon mal zu den Vögeln ab, die durch die nach hinten geöffnete Halle flattern.

Selbst darauf kann man sich aber nur bedingt konzentrieren, denn die Inszenierung ist nicht nur von der Szenerie her ruppig angelegt. Es mag ja locker daherkommen, wenn Akteure wie Publikum rauchen dürfen, nicht jeder allerdings verträgt das Gequalme gleichermaßen gut. Wenigstens waren entsprechende Aktionen im Vorab-Text angekündigt, anders als die teilweise ohrenbetäubenden Musikeinsätze.

Von Jörg Worat