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Kultur Umstrittenes Ergebnis: Klassiker „Faust I“ verschlankt
Weltgeschehen Kultur Umstrittenes Ergebnis: Klassiker „Faust I“ verschlankt
13:14 23.01.2014
Sebastian Kowski (links)als Mephisto und Lutz Salzmann als Faust. Quelle: Matthias Horn
Hannover

Weber hat den Klassiker in mehrfacher Hinsicht verschlankt. Das Personal ist auf acht Akteure verteilt, und so manche Szene wird eher angerissen als ausgespielt. Überhaupt kokettiert die Inszenierung immer wieder mit Erwartungshaltungen: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will“, deklamiert etwa Mephisto, um das folgende „und stets das Gute schafft“ durch ein unverständliches Genuschel zu ersetzen.

Das hat natürlich etwas Ironisierendes, und daran mangelt an diesem Abend ohnehin nicht. Schon im Vorspiel tritt der Dichter auf wie die Karikatur eines solchen und gibt mit hohlem Pathos seine Verse zum Besten, während der Wunsch „Laßt mich auch endlich Taten sehn!“ der dazuerfundenen Figur einer Abonnentin in den Mund gelegt wird. Übrigens entbehrt es nicht einer gewissen Pikanterie, wenn in diesem Zusammenhang auch die Worte „Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen / Probiert ein jeder, was er mag“ fallen.

Fausts Studierstube glänzt durch Abwesenheit, was insofern stimmig ist, als der Titelheld nicht einmal vorgibt, nach so etwas wie echter Erkenntnis zu suchen. Vielmehr pfeift er sich die Tabletten kübelweise rein, und Wagner, der mit schwerem amerikanischem Akzent spricht, scheint vor allem als Fausts Drogendealer zu fungieren. Mephisto wirkt wie eine Art Manager, der sich um seinen abgewrackten Künstlerklienten zu kümmern hat – so wird auch munter Karel Gotts „Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld“ angestimmt. Manche Figuren, etwa die Gruppe in Auerbachs Keller oder die notgeile Marthe, kommen völlig unterbelichtet daher.

Das kann man alles so machen. Wie nachvollziehbar die Geschichte dann noch ist, steht auf einem anderen Blatt: Dass Nora Quest als Gretchen arg blass bleibt, hat jedenfalls eine gewisse Logik, weil die Figur in dieser Geisterbahn kaum eine echte Chance auf Entfaltung hat. Sebastian Kowski besticht als Mephisto immerhin durch große Präsenz, und Lutz Salzmann legt als Faust viel Sprachkultur an den Tag.

Von Jörg Worat