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Kultur Undurchsichtiger Handlung fehlt es an Spannung
Weltgeschehen Kultur Undurchsichtiger Handlung fehlt es an Spannung
13:36 13.03.2017
Geschichten aus Tausendundeiner Nacht erzählt das Ensemble der Staatsoper Braunschweig in der Märchenoper „Aladin“. Quelle: Volker Beinhorn
Braunschweig

Das ist dann nicht immer nur ein Grund zu großer Freude, sondern garantiert in den meisten Fällen auch Aufmerksamkeit beim Publikum und ein großes mediales Echo. Leider aber gibt es auch den gegenteiligen Fall. Nach anfänglicher Euphorie verschwindet das gerade erst aufgespürte Werk nach nur wenigen Aufführungen sang- und klanglos in den Weiten der Opernliteratur. So erging es nach der Uraufführung der Märchenoper „Aladin“ dem schwedischen Komponisten Kurt Atterberg: 1936 wurde sie in Stockholm uraufgeführt und als deutsche Erstaufführung 1941 in Chemnitz – und dann nie wieder. Zurecht, könnte man meinen, wenn man nach fast 80-jähriger Abwesenheit dieses Werks von den Bühnen der Welt die Premiere am vergangenen Wochenende am Staatstheater Braunschweig als Maßstab nimmt.

Dabei hat „Aladin“ alles, was eine Märchenoper nach den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht haben muss: einen jungen Helden, der die schöne, verschleierte Prinzessin liebt; einen bösen Großwesir, der ebenfalls ein Auge auf die Prinzessin geworfen hat; eine Höhle voller Schätze; einen gutwilligen Geist und schließlich ein Happy-End. Regisseur Andrej Woran allerdings entzaubert seinen „Aladin“ von allem Märchenhaften, so dass man sich schon freut, wenn fleißige Helfer den riesigen, bühnenbeherrschenden Kubus so drehen, dass aus ihm mal ein Gefängnis mit hohen Gitterstäben, eine Höhle mit blau blitzendem Licht, ein Sultanspalast mit erdoganischem Gastgeber und Gästen, unter denen Trump und Merkel weilen, oder auch ein Hamam, ein türkisches Badehaus, mit ganz viel fröhlichen Frauen werden. Dennoch – dem Witz fehlt die Zündkraft, der Szenerie die Zielgerichtetheit zur Gegenwart und der undurchsichtigen Handlung die Spannung. Ein Versäumnis nicht nur der Regie, sondern auch des Stückes selbst.

Dazu kommt Musik zwischen Wagner und Mahler, aus der Jonas Albers am Pult des Staatsorchesters mit schmetternden Blech- und Holzbläsern das Beste herausholt. Unter den Sängern ragten Solen Mainguené als Laila, Oleksandr Pushniak als Großwesir und Selcuk Hakan Tirasoglu als Bettler heraus. Michael Ha fand als Aladin erst nach der Pause zu annehmbarer Form.

Von Hartmut Jakubowsky